Nachwuchspreis 2012

Den Nachwuchspreis 2012 der Deutschen Akademie für Kinder- und Jugendliteratur, gestiftet von Paul Maar, dem Bücherkabinett Hagemeier in Volkach und E.ON Bayern AG, erhalten Anja Stürzer (Text) und Julia Dürr (Illustration) für ihr Buch Somniavero. Ein Zukunftsroman. Außerdem hat die Jury 5 weitere Bücher auf eine Auswahlliste gesetzt.

Preisbuch 2012

Anja Stürzer
Somniavero. Ein Zukunftsroman

Mit Illustrationen von Julia Dürr
5 Bändchen, je 64 Seiten (im Schuber), mixtvision 2011
ISBN 978-3-939435-36-5


Das Buch gibt es seit 2012 auch als Taschenbuch (ISBN 978-3-939435-73-0) und E-Book (ISBN 978-3-939435-65-5).


Mit Somniavero haben Anja Stürzer und Julia Dürr einen „Zukunftsroman“ der besonderen Art geschaffen, nicht nur bezogen auf Inhalt und Intention, sondern auch auf Form und Illustration. In fünf handlichen Bändchen, bibliophil im ansprechend gestalteten Schuber verwahrt, wird der Leser aus fünf unterschiedlichen Erzählperspektiven in das mitreißende Geschehen einbezogen. Spannend bleibt es von der ersten bis zur letzten Zeile, gerade weil eben in jedem Bändchen eine andere Person, die jeweils auch titelgebend ist, aus ihrem Blickwinkel erzählt.
Damit wurde hier ein außergewöhnliches Erzählkonzept realisiert, das mit dem Mittel der Zeitreise beim heutigen Leser zugleich Umweltbewusstsein stärken und soziales Gespür schärfen will. Mit dem Trank ‚Somniavero’, was lateinisch nichts anderes heißt als ‚Ich werde träumen’, lassen sich einige Menschen um 90 Jahre zurückversetzen, ins Jahr 2031. Innerhalb der fesselnden Handlung um die Hauptperson, den Jungen Jochanan, und den Wissenschaftler Dr. Paulus, der mit allen Mitteln in die Zukunft zu gelangen versucht, erfährt der Leser immer wieder ganz unaufdringlich, wie sich die Welt in den 90 Jahren zum Negativen verändert hat. Begleitet wird die Handlung durchgehend von klein- und großformatigen Bildern, die ergänzen und erklären, aber auch auf witzige Weise unterhalten.
Damit bietet der unterhaltsame Kinderroman Informationen, ohne belehrend zu wirken, und er regt zum Nachdenken über unsere Welt und deren Zukunft an, ohne allzu viel an Visionen vorwegzunehmen. So ist Anja Stürzer und Julia Dürr eine ideale Mischung aus stimmiger Handlung und kongenialer Illustration gelungen, die junge Leserinnen und Leser in jeder Hinsicht anspricht. (Kurt Franz)

Der Titel war auch Klima-Buchtipp Februar 2012.

Die Künstlerinnen

Anja Stürzer, geboren 1965, studierte Englische und Italienische Literaturwissenschaft und arbeitete als Journalistin und Filmkritikerin. Heute ist sie als Autorin tätig und hält regelmäßig Vorträge zu Fantasy-Themen. Sie lebt mit Mann, zwei Kindern, Hund, Katze und Hasen in Hamburg. Somniavero ist ihr erstes Kinderbuch.

Julia Dürr wurde 1981 in Frankfurt am Main geboren. Ihre Freude am Zeichnen brachte sie über Leipzig und Köln an die FH Münster, wo sie Design studierte. Seit 2008 arbeitet sie als freischaffende Illustratorin mit großer Liebe für das Bilderbuch.
2009 wurde sie für ihr Buch Im Dunkeln durch die Stiftung Buchkunst ausgezeichnet. Seit 2010 lebt und arbeitet sie in Leipzig.

Auswahlliste 2012

Howard Griffiths: Die Hexe und der Maestro. Eine märchenhafte Orchestergeschichte.
Musik von Fabian Künzli. Illustriert von Karin Hellert-Knappe 44 Seiten, mit 1 CD, Zürich: Hug-Musikverlag 2012 ISBN 978-3-905847-70-3; ISMN 979-0-2028-2460-3

In einem kleinen Dorf leben merkwürdige Familien: die Strei-cher-, die Holzbläser-, die Blechbläser und die Schlagzeugfami-lie. Im kleinsten Haus wohnt das schöne Fräulein Harfe, und im schönsten Haus der Maestro. Aber da gibt es im finsteren Wald auch noch die kleine Hexe, deren große Leidenschaft das Gei-genspiel ist.
Wie schließlich alle in einem wunderbaren Konzert zusammen-finden, erfährt der Leser in einer spannenden Erzählung und in großformatigen farbenfrohen Bildern, aber auch mit Musikbeglei-tung auf einer CD. Anschaulicher, spielerischer und unterhalt-samer kann man Kinder kaum in die einzelnen Musikinstrumente und das Funktionieren eines Orchesters einführen.

Ernst Jandl: auf dem land.
Illlustriert und in Szene gesetzt von Monika Maslowska 30 ungez. Seiten, mit 1 CD, München: mixtvision 2012 ISBN 978-3-939435-49-5

Genauer kann man die Laute der Tiere, die der Meister des Sprachspiels, Ernst Jandl, auf dem land hört, kaum nachahmen: Da hört man die Rinder so richtig brüllen, die Schweine grunzen und die Hummeln brummen, besonders natürlich, wenn der Autor sein „Gedicht“ auf CD selbst vorträgt.
Auf je einer Doppelseite werden die zwölf Tierbegegnungen phantasiereich und witzig von Monika Maslowska „in Szene gesetzt“ und dazu auch noch jeweils mit einer kleinen kreativen, meist unsinnig-witzigen Anregung zum Mitmachen versehen. Das hervorragend gestaltete Buch bietet eine selten gelungene Synthese von Text, Bild und Ton.

Susan Kreller: Elefanten sieht man nicht.
204 Seiten, Hamburg: Carlsen 2012 ISBN 978-3-551-58246-1

Die 13jährige Mascha verbringt seit dem Tod ihrer Mutter die Sommerferien immer bei ihren Großeltern. Eines Tages lernt sie Julia und Max kennen, und damit entwickelt sich in 46 Kapiteln auch ein unglaublich spannendes Geschehen, denn Mascha entdeckt, dass die Kinder misshandelt werden. Das kann jeder im Dorf sehen, aber wahrhaben will es aus Angst oder Bequem-lichkeit niemand.
Da passt natürlich der von der Anglistin Kreller an eine englische Redewendung angelehnte deutsche Titel ganz genau: The ele-phant in the room – Elefanten sieht man nicht. Doch Mascha will sich damit nicht abfinden. Reden allein hilft in dieser kleinbürger-lichen Scheinwelt nicht, so dass sie zu einem drastischen, viel-leicht ‚falschen‘, aber jedenfalls wirkungsvollen Mittel greifen muss. Susan Kreller setzt ein immer noch aktuelles Thema in eine dichte Erzählhandlung um und schafft somit ein bewegen-des Bild des Mitleids, der Hilfsbereitschaft und Zivilcourage.

Anna Marshall: Oma und die 99 Schmetterlinge.
26 ungez. Seiten, Würzburg: Arena 2012 ISBN 978-3-401-09890-6

Die kleine Enkelin ist gern bei ihrer Oma, auch wenn die Leute sagen, dass bei ihr „das Dach nicht mehr ganz dicht“ ist. Beim Nachdenken wachsen den beiden Flügel, und so tauchen sie ein in die unwahrscheinlichen Erinnerungen der alten Frau, die als Schulmädchen 99 Schmetterlinge gezüchtet hat und aus Berlin weggezogen ist, weil es zu viele Bären gab.
Der Schmetterling wird zum Sinnbild der Schwerelosigkeit und des Abschieds, denn die demenzkranke Oma wird auch bald als 100. Schmetterling, als schönster, den die Enkelin je gekannt hat, davonfliegen. Das mit zartfarbigen collagenartigen Bildern gestaltete Buch ist eine eindrucksvolle poetische Hommage an die Oma und ältere Menschen überhaupt, gleichzeitig eine ein-fühlsame Begegnung von Kindern mit der Alterskrankheit De-menz, mit Vergänglichkeit und Abschiednehmen.

Marlene Röder: Melvin, mein Hund und die russischen Gurken. Erzählungen.
127 Seiten, Ravensburg: Ravensburger Buchverlag 2011 ISBN 987-3-473-40067-6

Kurze Geschichten sind nicht unbedingt die übliche Lektüre von Jugendlichen, doch haben gerade sie einige, häufig unterschätz-te Vorzüge: nicht nur, weil sie quantitativ schnell ‚konsumierbar’ sind, sondern weil sie mit ihrem meist offenen Schluss besonde-ren Anreiz zum Nachdenken und Weiterspinnen bieten.
Dies gelingt Marlene Röder in ihrer Sammlung von 18 Erzählun-gen, die manchmal eine inhaltliche Verbindung zueinander er-kennen lassen, ganz hervorragend. Ob es um Freundschaft, erste Liebe, soziale Probleme, Mobbing oder Anderssein geht, die Autorin versteht es, mit ihrer variationsreichen jugendgerech-ten Sprache die jungen Leser zu fesseln und sie Freude, Glück und Trauer in den skizzierten Alltagssituationen miterleben zu lassen.

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