Großer Preis 1988: Otfried Preußler

Gründungsmitglied Otfried Preußler (1923–2013)

Zum Tod eines großen Geschichtenerzählers

Otfried Preußler (2009), Foto: Francis Koenig

Otfried Preußler zählt nicht nur zu den bedeutendsten Kinder- und Jugendbuchautoren der Nachkriegszeit. Zu erinnern und zu danken gilt es einem Menschen, der sich vor rund 37 Jahren mit vierzehn weiteren Kollegen für die Gründung der Deutschen Akademie für Kinder- und Jugendliteratur in Würzburg eingesetzt hat. Anliegen war es, der Kinder- und Jugendliteratur »die volle literarische Gleichberechtigung zu verschaffen und daraufhin hinzuarbeiten, daß ihr im Bewußtsein der Öffentlichkeit jenes Maß an Aufmerksamkeit entgegengebracht wird, wie es ihr im Hinblick auf ihre Qualität und Bedeutung zukommt« (Pleticha 1996). Otfried Preußler hat sich für diese Ziele intensiv miteingesetzt, ob als Redner auf Tagungen oder als Begründer des Volkacher Boten, der Zeitschrift der Deutschen Akademie für Kinder- und Jugendliteratur, deren Redaktion er von 1981 bis 1988 mit über 30 Heften sehr engagiert betreute. 1988 erhielt er für sein außerordentliches Engagement den Großen Preis der Deutschen Akademie für Kinder- und Jugendliteratur. Bis in die Gegenwart verfolgte er aufmerksam die Tätigkeiten der Akademie.
Begegnungen mit ihm zählen mit Fug und Recht zu den Sternstunden der kinderliterarischen Welt. Prägend waren seine Erinnerungen an die Sagenwelt der nordböhmischen Heimat. Und so konnte es leicht geschehen, sich während eines Gesprächs mit ihm direkt in der Welt von Rübezahl und Krabat wiederzufinden. Eine Reise nach Reichenberg und Nordböhmen auf den Spuren Otfried Preußlers zählt noch heute zu den eindrucksvollen Erlebnissen, die mir die Bedeutung von Kinderliteratur im Nachkriegsdeutschland mit Blick auf die sudetendeutsche Geschichte nahegebracht haben. Gespräche von Otfried Preußler und Heinrich Pleticha sind als kulturhistorische Zeugnisse der Kinderliteratur unwiderbringlich. Als nun mehr dritte Generation mit sudetendeutscher Herkunft ist er mir persönlich zu einem Geschichtenerzähler inter generationes in vielfacher Hinsicht geworden. Dies betrifft seine Erzählwelt an sich, als auch die historische Dimension seines Schaffens. Wir danken ihm für seinen Einsatz, seine große Erzählkunst und sein bedeutendes Lebenswerk für die Kinder- und Jugendliteratur.

Im Namen der Akademie
gez. Dr. Claudia Maria Pecher

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