Bereits zum siebzehnten Mal lobt die Deutsche Akademie für Kinder- und Jugendliteratur den Korbinian – Paul Maar-Preis für neue Talente aus. Die Jury hat einen Autor und fünf Autorinnen mit ihren Erstlingswerken auf die Nominierungsliste gesetzt. Das Preisgeld in Höhe von 2.500 Euro stiften der Kinderbuchautor Paul Maar und das Bayernwerk für Kinderbuchautorinnen und -autoren von morgen. Die Preisverleihung findet am 23. Juli im oberbayerischen Kolbermoor statt.
NOMINIERUNGEN
Im Jahr 2026 nominiert die Jury für den Korbinian – Paul Maar-Preis für neue Talente: Ada Diagne (Leykam), Eva Kranenburg (Fischer Sauerländer), Jona Manow (mixtvision), Amani Padda (Arctis), Ulla Schuh (Beltz & Gelberg) und Sonja M. Schultz (Blumenbar).
Unter dem Vorsitz der Literaturwissenschaftlerin Dr. Jana Mikota von der Universität Siegen lasen sich die Jurorinnen und Juroren durch gut 50 eingereichte Werke aus 36 deutschsprachigen Verlagen: Stefan Eß (Sankt Michaelsbund, München), Dr. Monika Hernik-Młodzianowska (Universität Potsdam), Anne Maar (Theater Schloss Maßbach), Christine Paxmann (Eselsohr, München) und Dr. Claudia Maria Pecher (Deutsche Akademie für Kinder- und Jugendliteratur, Volkach).
Bereits 2009 hatte die Deutsche Akademie für Kinder- und Jugendliteratur zusammen mit Paul Maar einen Preis für neue Talente der Kinder- und Jugendbuchszene ins Leben gerufen, der seit 2018 auch nach dem Autor benannt ist. Mit dieser Auszeichnung wollen sie Künstlerinnen und Künstlern den Weg auf den Kinder- und Jugendbuchmarkt ebnen. Seit fünfzehn Jahren bedeutet der Korbinian mittlerweile ein hohes Renommee für die Preisträgerinnen und Preisträger.
PREISVERLEIHUNG
Unter dem Motto „LeseOrte.Die stark machen.“ feiert die Auszeichnung Kinderbibliothekspreis der Bayernwerk Netz GmbH ihr 20. Jubiläum. Der Preis wird an fünf engagierte öffentliche Büchereien in den bayerischen Regionen vergeben, die sich beispielhaft für die Leseförderung einsetzen. Neben den Bibliotheken arbeitet das Bayernwerk mit der Deutschen Akademie für Kinder- und Jugendliteratur zusammen. Der Kinderbibliothekspreis sowie der Paul Maar-Preis werden im Rahmen einer gemeinsamen Preisverleihung in Kolbermoor verliehen. Erst dann wird der Name der Korbinianpreisträgerin oder des -preisträgers 2026 bekanntgegeben.
Der Korbinian ist mit 2.500 Euro ausgestattet, die das Bayernwerk und Paul Maar seit vielen Jahren gemeinsam stiften. Ebenfalls von Paul Maar stammt der Entwurf der Preisfigur des Bären Korbinian, die Schnitzarbeit übernimmt die Augsburger Künstlerin Elisabeth Gumpp. Die Akademie Faber-Castell überreicht einen „perfekten“ Bleistift für das Schreiben weiterer preiswürdiger Literatur.

Paul Maar (Foto: Privat)


Medienpartner:


NOMINIERUNGEN 2026
Ada Diagne
BAOBAB
Graz: Leykam Verlag 2025.
304 Seiten. 22 Euro. Ab 10 Jahren.
ISBN 978-3-7011-8371-5
BAOBAB erzählt von den langen Schatten des Kolonialismus. Mit zwei kunstvoll miteinander verwobenen Erzählsträngen zeigt die Autorin, wie Vergangenheit und Gegenwart einander durchdringen. Alles beginnt mit einem Sturm: Ein weißes Baby wird an die Küste gespült und konfrontiert die Bewohnerinnen und Bewohnern eines afrikanischen Küstendorfs mit einer schmerzhaften Vergangenheit. In einem zweiten Erzählstrang wird die Geschichte der jungen Ava erzählt, die rund hundert Jahre zuvor lebt. Ihr Schicksal eröffnet zugleich einen Blick auf den Kolonialismus und Gewalt und macht deutlich, wie tief historische Erfahrungen bis in die Gegenwart hineinwirken. So gelingt mit BAOBAB ein vielschichtiger Roman, der schwierige Themen sensibel behandelt und junge Leserinnen und Leser dazu anregt, über Identität, Geschichte und Zusammenleben nachzudenken.
Über die Autorin
Ada Diagne, 1992 in Wien geboren, wo sie auch heute lebt und arbeitet. Sie hat an der Universität in Wien Rechtswissenschaften studiert. Seit 2021 ist sie freiberufliche Autorin und bekam für BAOBAB das Kinder- und Jugendliteraturstipendium „Mechana“.
Eva Kranenburg
Freunde
Frankfurt am Main: FISCHER Sauerländer 2026.
448 Seiten. 18,90 Ero. Ab 14 Jahren.
ISBN 978-3-7373-7499-6
Die Jugendlichen Tarek, Tuk, Nata und Ren haben den Krieg überlebt und stehen vor einer Herausforderung, die kaum weniger existenziell ist als das Überleben selbst: In einer von Bomben zerstörten Stadt müssen sie ein neues Miteinander erlernen. Zugleich ahnen sie, dass mit dem Ende des Krieges die erlittenen Verletzungen nicht verschwinden. Kranenburg entfaltet eine eindringliche Erzählung, die die Brutalität des Krieges weder beschönigt noch ausspart. Besonders bemerkenswert ist dabei die erzählerische Balance zwischen schonungsloser Gewaltdarstellung und Momenten von Humor und Menschlichkeit. Indem Kranenburg bewusst auf konkrete Ortsangaben und historische Verortungen verzichtet, hebt sie ihre Geschichte aus dem Spezifischen ins Universelle
Über die Autorin
Eva Kranenburg ist Psychotherapeutin und arbeitete u.a. mit Geflüchteten aus Afghanistan und Syrien. Sie ist Absolventin der Akademie für Kindermedien. Für das Manuskript Freunde erhielt sie den Förderpreis der Mitteldeutschen Medienförderung und den Kinder- und Jugendbuchpreis der Stadt Oldenburg 2025.
Jona Manow
Spion Nr. 9 und die Kunst, nicht aufzufallen
Mit Illustrationen von Julia Dürr.
München: Mixtvision 2025.
176 Seiten. 18 Euro. Ab 9 Jahren.
ISBN 978-3-95854-251-8
Mit Estrich hat Manow eine außergewöhnliche Figur geschaffen, die die Leserinnen und Leser auf ebenso humorvolle wie berührende Weise durch die Handlung führt. Aus der Perspektive eines neurodiversen Jungen entfaltet der Roman eine ebenso spannende wie tiefgründige Suche nach Zugehörigkeit, Selbstverständnis und dem eigenen Platz in einer Umwelt, deren Regeln oft rätselhaft erscheinen. Die besondere Qualität des Romans liegt dabei in seiner konsequenten internen Fokalisierung: Die Welt wird durch Estrichs Wahrnehmung erfahrbar. Seine Fragen, seine eigensinnigen Ordnungssysteme und seine Gewohnheit, Dinge in Neunerschritten zu zählen, prägen die Erzählung ebenso wie sein Gefühl, den gesellschaftlichen Erwartungen nicht zu entsprechen. Auf eindrucksvolle Weise zeigt das Buch, dass Neurodiversität nicht als Defizit verstanden werden muss, sondern als eine besondere Gabe, die Welt wahrzunehmen.
Über den Autor
Jona Manow hat Germanistik mit dem Schwerpunkt Theater und Film in Hamburg studiert. Im Anschluss hat er als Regieassistent am Theater gearbeitet. Seit 2017 ist er freier Theaterregisseur, zurzeit arbeitet er an seinem zweiten Kurzfilm. Manow schreibt Theaterstücke und Prosa.
Amani Padda
Bevor der Himmel reißt
Zürich: Arctis 2026.
320 Seiten. 18 Euro. Ab 14 Jahren.
ISBN 978-3-03880-095-8
Dilly und Heer sind siebzehn Jahre alt und wachsen in Piesnitz, einer sächsischen Kleinstadt, auf. Ihre Familien betreiben die einzigen indischen Take-aways des Ortes und stehen seit Jahren in Konkurrenz zueinander. Obwohl beide Jugendlichen derselben Minderheit angehören, trennt sie zunächst mehr, als sie verbindet. Zugleich erleben sie in ihrem Alltag Ausgrenzung, rassistische Anfeindungen und das Gefühl, trotz ihrer Verwurzelung nicht selbstverständlich dazuzugehören. Erst die Pläne für ein neues Einkaufszentrum, das die Existenzgrundlage ihrer Familien bedroht, führen Dilly und Heer zusammen. Der Roman greift zentrale gesellschaftliche Gegenwartsfragen auf und setzt sich differenziert mit rechtsextremen Ideologien und ihren ausgrenzenden Narrativen auseinander. Durch die wechselnde Perspektivierung von Heer und Dilly werden unterschiedliche Erfahrungen, Wünsche und Ängste sichtbar. Der regt dazu an, über die Bedingungen eines gelingenden Zusammenlebens nachzudenken – und darüber, was Heimat in einer vielfältigen Gesellschaft bedeuten kann.
Über die Autorin
Amani Padda ist in Sachsen aufgewachsen und hat in Leipzig Jura mit einem Schwerpunkt auf Menschenrechte studiert. Seit ihrer Schulzeit ist sie politisch aktiv und liebt Geschichten über Außenseiter und Mutmacher. Wenn sie nicht gerade schreibt, zeichnet sie ihre Figuren und schaut sich viel zu lange Videoessays an. In ihrer Freizeit engagiert sie sich in ehrenamtlichen Projekten für mehr Diversity und Jugendbeteiligung.
Ulla Schuh
Ich in 100 Teilen
Mit Illustrationen von Irmela Schautz.
Weinheim: Beltz & Gelberg 2026.
144 Seiten. 15 Euro. Ab 14 Jahren.
ISBN 978-3-407-79043-9
Rikes Leben gerät aus den Fugen, als sie erfährt, dass der Mann, den sie bislang für ihren Vater gehalten hat, nicht ihr leiblicher Vater ist. Gegen den Willen ihrer Mutter macht sich Rike auf die Suche nach dem Vater, die für Rike zu einer Suche nach den Geschichten, aus denen sich Identität zusammensetzt, wird. In einhundert kurzen Kapiteln, die in freien Versen gestaltet sind, entfaltet sich ihre Erzählung. Rike blickt auf ihre Kindheit zurück, betrachtet Fotografien und Erinnerungen neu und entdeckt in längst vertrauten Bildern verborgene Hinweise auf die Geschichte ihrer Familie. Begleitet wird sie von Nico, einem neuen Mitschüler, dessen eigene Geschichte nach und nach sichtbar wird. Seine Stärke entfaltet der Roman jedoch in seiner Sprache. Abgebrochene Sätze, Zeilenbrüche und Leerstellen strukturieren den Text und geben ihm einen eigenen Rhythmus. Die sprachliche Form spiegelt Rikes innere Verunsicherung ebenso wie ihren Versuch, die Bruchstücke ihrer Familiengeschichte zu einem neuen Ganzen zusammenzufügen, wider. Der Versroman ist somit weit mehr als die Geschichte einer Suche nach dem leiblichen Vater. Er ist eine Reflexion über Identität, Erinnerung und familiäre Zugehörigkeit. Mit großer sprachlicher Präzision und formaler Experimentierfreude zeigt Schuh, wie Literatur Räume eröffnen kann, in denen Gewissheiten hinterfragt und neue Perspektiven auf das eigene Leben gewonnen werden.
Über die Autorin
Ulla Schuh wurde in Nürnberg geboren. Sie studierte Germanistik und Geschichte in Erlangen und Wien. Sie hat als Lehrerin gearbeitet und eine Schreibwerkstatt für Jugendliche geleitet. 2024 erhielt sie den Kinder- und Jugendbuchpreis der Stadt Oldenburg für Ich in 100 Teilen.
Sonja M. Schultz
Mauerpogo
Berlin: Blumenbar 2025.
370 Seiten. 22 Euro. Ab 14 Jahren.
ISBN 978-3-351-05137-2
1982, in der fiktiven Stadt Eisenwerda: Die vierzehnjährige Josefine Färber, genannt Jo, steht an der Schwelle zum Erwachsenwerden. Die Jugendweihe, eines der zentralen Rituale in der DDR, markiert den Übergang in eine neue Lebensphase. Doch dann hört Jo Punkmusik. Laut, wild, unangepasst und voller Energie eröffnet sie dem Mädchen einen Gegenentwurf zu den normierten Lebenswegen der DDR. Die Begegnung mit Ratte lässt einen Sommer beginnen, der gleichermaßen von Aufbruch und Ernüchterung geprägt ist. Was zunächst wie ein Abenteuer erscheint, entwickelt sich zunehmend zu einer Konfrontation mit den Grenzen individueller Freiheit in einem autoritären Staat. Volkspolizei und Staatssicherheit treten als Instrumente gesellschaftlicher Kontrolle in Erscheinung, und Jo erfährt, welchen Preis nonkonformes Verhalten in der DDR haben konnte. Der Roman entfaltet ein vielschichtiges Panorama des letzten Jahrzehnts der DDR.
Über die Autorin
Sonja M. Schultz wuchs in Schleswig-Holstein auf. Sie studierte Theaterwissenschaften und Kunstgeschichte in Berlin, arbeitet u.a. als (Film-)Journalistin. Mauerpogo wurde mit dem Literaturstipendium des Berliner Senats gefördert.






