2026: Dina Kraft (Washington DC) und Jörg Knüfken (Duisburg)

Mit einem Volkacher Taler wird die amerikanische Journalistin und Autorin Dina Kraft (Washington DC) ausgezeichnet. Ihr Werk ist von dem Versuch geprägt, das Trennende in Konfliktzonen zu überwinden und Geschichten zu erzählen, die die nächste Generation zum tikkun olam zu animieren: zum Reparieren der Welt – in ihrem eigenen Umfeld und in der großen Politik.

Seit einer der besten Freunde Dina Krafts während ihrer Jugend ermordet wurde und sie später den Mörder ihres Freundes im Gefängnis aufzusuchen versuchte, wird Dina Kraft von der Frage angetrieben, wie Gerechtigkeit auch unter Feinden wieder hergestellt werden kann. Im Englischen sprechen wir hier von restorative justice, aber das Hebräische tzedek me’acheh trifft die Sache besser: Eine Gerechtigkeit, die daraus erwächst, das Zerbrochene wieder zusammenzufügen. Das tikkun olam und tzedek me’acheh zieht sich daher wie ein roter Faden durch Dina Krafts Leben und inspiriert uns alle dazu, nicht zu verzagen und zynisch zu werden und uns der Dunkelheit der Welt entgegenzustellen. Dina Kraft ist eine langjährige Auslandskorrespondentin, die seit mehr als zwei Jahrzehnten über Politik und Gesellschaft in Israel und den palästinensischen Gebieten berichtet. Ihre internationale Laufbahn begann sie im Jerusalemer Büro von Associated Press (AP). Später war sie im AP-Büro in Johannesburg tätig und berichtete von dort aus über das südliche Afrika. Zudem berichtete sie aus dem Senegal, Kenia, Pakistan, Jordanien, Tunesien, Russland und der Ukraine. Dina Kraft war Nieman-Stipendiatin an der Harvard University sowie Ochberg-Stipendiatin an der Columbia University School of Journalism. Darüber hinaus war sie früher Chefin der Meinungsseiten der englischsprachigen Ausgabe von Haaretz tätig. Heute arbeitet sie als internationale Korrespondentin für The Christian Science Monitor.

Dina ist – gemeinsam mit Hannah Pick-Goslar – Mitautorin des New York Times-Bestsellers Meine Freundin Anne Frank: Die Geschichte unserer Freundschaft und mein Leben nach dem Holocaust. Darüber hinaus ist Dina Kraft die Schöpferin und Moderatorin zweier Podcasts: The Branch und Groundwork. The Branch (2018–2021) bot Einblicke in den Alltag von Juden und Arabern in Israel, dem Westjordanland und in Gaza, die bedeutsame Beziehungen zueinander aufbauten. Das von Hadassah (The Women’s Zionist Organization of America) präsentierte und von Dina Kraft moderierte Format rückte Geschichten von Menschen in den Mittelpunkt, die das Zusammenleben in einer gemeinsamen Gesellschaft aktiv vorlebten – gemeinsam, auch dann, wenn es kompliziert wird. Groundwork handelt von israelischen und palästinensischen Friedensaktivisten.

In all ihren Arbeiten fühlt sich Dina Kraft zu Geschichten hingezogen, die von ungewöhnlichen Verbindungen und dualen Narrativen geprägt sind und die von den Auswirkungen von Konflikten auf das Leben ganz normaler Menschen handeln – kurzum: zu Geschichten, die zum Tikkun Olam und Tzedek Me’acheh inspirieren. Herzlichen Glückwunsch zum Volkacher Taler 2026!

Dina Kraft | Foto © Dina Kraft

Dina Kraft
Foto: © Dina Kraft

Der Dorstener Sozialarbeiter Jörg Knüfken (Duisburg) widmet sich in seiner Arbeit den Jugendlichen, die andere aufgegeben haben, den „Unbeschulbaren“.

Knüfken hat sehr bewusst Sozialpädagogik studiert und früh begonnen, gerade den Schülerinnen und Schülern Wertschätzung entgegenzubringen, denen niemand mehr etwas zutraut. Nach mehr als einem Jahrzehnt in der Sozialarbeit in Dorsten inspirierten ihn 2010 die „Freedom Writers“-Initiative der amerikanischen Lehrerin Erin Grunwell. Im Mittelpunkt der Methode Grunwells steht das Schreiben von Tagebüchern. Knüfken erprobte zunächst in Pilotprojekten an einer Hauptschule in Dinslaken das Selbsterlebensbeschreiben mit schwer verhaltensauffälligen Schülerinnen und Schülern. Deren Erfolg, dann doch den Schulabschluss zu schaffen, verdichtete Jörg Knüfken zu einem Konzept, wie Jugendliche in Schulen eigene, auch sehr schwierige Erfahrungen niederschreiben und daraus Zutrauen zu sich selbst gewinnen können. Die Tagebücher der Anne Frank sind dabei eine wesentliche Quelle der Inspiration. Knüfken schrieb darüber ein Buch: Das Wunder bleibt aus. Tagebuch über ein erfolgreiches Hauptschulprojekt. Er versuchte andere für seine Ideen zu gewinnen und gewann in beharrlicher Arbeit für seinen Ansatz immer mehr Lehrerinnen und Lehrer. 2014 gründete er in Dorsten einen Verein, der 2016 in „ChangeWriters e. V.“ umbenannt wurde. Die Arbeit des Vereins wurde bald professionalisiert; Fortbildungen, wie Jugendliche in der Auseinandersetzung mit der eigenen Biografie wieder Fuß fassen können, wurden entwickelt und Fördergelder eingeworben. Inzwischen haben Hunderte von Schülern von seinem Konzept profitiert. Das Team der ChangeWriters bildet heute bundesweit Methodencoachs aus. Viele arbeiten ehrenamtlich mit, um die zu erreichen, die niemand mehr will. ChangeWriters bietet gegenwärtig umfangreiche Programme wie „Gemeinsam Geschichte(n) schreiben“ für wertschätzenden Beziehungsaufbau im Klassenraum an oder „Mitstiften“, ein Ausbildungsprogramm für Grund- und weiterführende Schulen. Aktionstage und Sommercamps kommen hinzu. Die Arbeit von Jörg Knüfken und seinem Team wurde vielfach ausgezeichnet, u. a. mit dem Talent Award Ruhr (2016).

Jörg Knüfken zählt unter die wichtigsten Mutmacher für Jugendliche in Deutschland. Dafür gebührt ihm Dank und Anerkennung. Herzlichen Glückwunsch zum Volkacher Taler 2026!

Jörg Knüfken | Foto © M. Jaworski

Jörg Knüfken
Foto: © M. Jaworski

Die Preisverleihung findet am 20. November 2026 in Volkach statt. Die Einladung erfolgt persönlich.
Die Laudationes auf Dina Kraft spricht Akademie-Vizepräsident Prof. Dr. Thomas Weber. Die Laudiatio auf Jörg Knüfken spricht Akademie-Vizepräsident Prof. Dr. Gerhard Lauer.

Pressemitteilung zum Herunterladen:

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