JOSEF GUGGENMOS-PREIS FÜR KINDERLYRIK
Informationen zum Leben und Werk von Josef Guggenmos.
2026: Jutta Richter
Die Jury des diesjährigen Guggenmos-Preises hatte wieder aufs Beste zu tun: 23 deutschsprachige Verlage hatten insgesamt 43 neu erschienene Lyrikbände, Bilderbücher und Gedichtsammlungen aus ihren Programmen der Jahre 2024 bis 2026 eingereicht.
Herzliche Gratulation der Schriftstellerin Jutta Richter zum Josef Guggenmos-Preis für Kinderlyrik!
Weitere sechs besonders gelungene Werke hat die Jury für die Empfehlungsliste ausgewählt.
Jutta Richter, geboren 1955 in Burgsteinfurt / Westfalen, ist eine deutsche Autorin und Lyrikerin, die zu den bedeutendsten Stimmen der Kinder- und Jugendliteratur zählt. Aufgewachsen im Ruhrgebiet und im Sauerland, verbrachte sie als Austauschschülerin ein Jahr in Detroit, wo sie mit dem Schreiben ihres ersten Buches begann. Sie studierte Theologie, Germanistik und Publizistik in Münster und lebt seit 1978 als freie Autorin im Münsterland sowie zeitweise in Italien. Ihre Werke, die oft poetisch, zugleich aber realistisch und märchenhaft geprägt sind, wurden in über 30 Sprachen übersetzt. Neben Romanen verfasst sie Gedichte, Hörspiele, Theaterstücke und Lieder.
Zu Jutta Richters Auszeichnungen zählen u. a. der Deutsche Jugendliteraturpreis, der Katholische Kinder- und Jugendbuchpreis und der Große Preis der Deutschen Akademie für Kinder- und Jugendliteratur. Internationale Anerkennung erhielt sie außerdem durch den italienischen Premio Andersen und eine Nominierung für den Astrid Lindgren Memorial Award.

Jutta Richter
Foto: © Insel Verlag
Jutta Richter
Rabenkonzert
Gedichte für kleine und große Menschen
Mit Illustrationen von Julie Völk.
Berlin: Insel 2025. 109 Seiten. 16 Euro.
ISBN 978-3-458-64545-0
In diesen 73 dahinsprühenden Gedichten hat sich ein kinderlyrisches Lebenswerk angesammelt. Zutiefst menschlich, tierlieb, lebensgetränkt. Es gibt viel zu entdecken, etwa das Traumel, das die Träume bunt macht, den Räuber Kitzelkalt oder den Brennnesselengel – und apropos Engel: „Ein Engel hat immer für dich Zeit,/ das ist der Engel der Langsamkeit.“ Wie Tröstlich! Und Trost ist nötig, denn Jutta Richters Verse gehen auch mal dahin, wo es weh tut: gestorbene Hunde, die verschwundenen Schwalben, Kriegserfahrungen, das Tränental des Vermissens. Auch die Wut bleibt nicht aus: „Heute bin ich wild und böse./ Bin ein Wolf im grauen Fell/ bin ein Drache, bin ein Löwe/ und ich beiße und ich bell“. Diese Gedichte sind keine lyrischen Schnellschüsse, sie sind gut durchgearbeitet und legen nicht selten eine vielstrophige Ausdauer an den Tag. Kein Wort ist zu viel. Welch Witz in der Knappheit liegen kann, zeigt dieser charmante Abzählreim: „Die Frau/ die Maus/ die Waschmaschine/ aus.“
Die blauen, strichbasierten Zeichnungen von Julie Völk erzählen eine ganz eigene Geschichte. Sie sind als feines Schienenwerk angelegt, das die Doppelseiten unaufdringlich umspielt. Eine starke Idee! So wird die große (Lebens-)Reise evoziert, auf die wir uns mit Jutta Richters Gedichten begeben. Wir spüren, dass ein großes Herz in diesen Gedichten pocht. Jede Menge Leben steigt vor uns auf, es ist zum Lachen, ist zum Weinen, zum Wundern – allemal ist es zum Spielen … eine Gedichtsammlung, die satt macht!
Zum Gedenken an Josef Guggenmos (1922–2003) verleiht die Deutsche Akademie für Kinder- und Jugendliteratur seit 2016 den Kinderlyrikpreis – bisher immer in Irsee, Guggenmos’ Geburtsort, an dem er auch den Großteil seines Lebens verbrachte. Daher unterstützen die Marktgemeinde Irsee und die Kulturstiftung Irsee die Vergabe des Preises, die Raiffeisenbank Kirchweihtal und die Sparkasse Allgäu statten den Preis mit 3.000 Euro aus. Die Akademie Faber-Castell überreicht einen „perfekten“ Bleistift, der das Schreiben weiterer preiswürdiger Gedichte inspirieren soll.
Die Preisverleihung findet im Jubiläumsjahr der Deutschen Akademie für Kinder- und Jugendliteratur in Volkach statt. Unter dem Titel „Von Sergei Prokofjew zu Taylor Swift. Musik und Poesie in der Kinder- und Jugendliteratur in Zeiten der Krise“ veranstaltet die Akademie am 23. und 24. April 2026 eine festliche Tagung mit Musik und Vorträgen, Lesungen und Verleihung des Josef Guggenmos-Preises aus Anlass ihrer Gründung vor 50 Jahren. Die Tagung sucht Antworten auf die Frage, wie Musik und Poesie Kindern und Jugendlichen Halt und Orientierung gerade auch in Zeiten der Krise geben.
Die Laudatio auf die Preisträgerin Jutta Richter hält Arne Rautenberg, der erste Josef Guggenmos-Preisträger. Nils Mohl, Preisträger von 2022, bereichert den Festakt mit Stand-Up Poetry.
Der Eintritt zur gesamten Tagung, zur Preisverleihung oder weiteren Lesungen ist frei.
Anmeldungen nimmt Josef Rößner M. A. in der Geschäftsstelle der Akademie telefonisch oder per E-Mail entgegen.
Die Jury für den Josef Guggenmos-Preis für Kinderlyrik 2026
- Arne Rautenberg (Jury-Vorsitz, Preisträger 2016, Lyriker)
- Prof. Dr. Dr. Kurt Franz (Ehrenpräsident der Akademie)
- Dr. Susan Kreller (Berlin)
- Dr. Claudia Maria Pecher (Präsidentin der Akademie)
- Dr. Tilman Spreckelsen (Redakteur, FAZ)
EMPFEHLUNGSLISTE 2026
Heinz Janisch
Ich freue mich furchtbar sehr
Illustriert von Linda Wolfsgruber.
Wien: Jungbrunnen 2025. 96 Seiten. 17 Euro.
ISBN: 978-3-7026-6006-2
In unfreundlichen Zeiten, so steht es als Motto in Heinz Janischs Gedichtband, brauche es freundliche Gedichte. Genau das ist es auch, was die Lyrik in diesem Buch so bemerkenswert macht: jener freundliche, geradezu zärtliche Blick auf Menschen und Dinge, auf das Leben und die Poesie – und auf das Kleine und noch Kleinere, zum Beispiel die Hosentasche, die einzelne Schneeflocke und Gottes Hörgerät. Auch Sinneseindrücken begegnet Janisch mit liebevoller Präzision, man kann seine Gedichte hören, schmecken und sogar riechen, letzteres etwa mit der geliehenen Nase einer Kuh. Die Lyrik in diesem Band ist überdies von einem großen Formenreichtum geprägt, der in den Zeichnungen, Drucken und Collagen der Illustratorin Linda Wolfsgruber eine brillante künstlerische Entsprechung findet.
Lena Raubaum
Schlich ein Puma in den Tag
Illustriert von Verena Pavoni.
Mannheim: kunstanstifter 2025. 144 Seiten. 28 Euro.
ISBN 978-3-948743-50-5
Als Sgraffito von Verena Pavoni ins Bild gesetzt, kommt uns Raubaums Puma wie in einer wissenden Verneigung vor Rilkes Panther auf dem Cover entgegen. Gemeinsam mit der Wortkünstlerin folgen wir schematisch dem Entstehungsprozess eines Tiergedichts Wort für Wort, Zeile für Zeile, Wiederholung für Wiederholung. Sinnenreiche Wortverwandlung: von der Beobachtung zum Einswerden mit dem Tier: dem Puma, der in den Tag schleicht; dem Frosch, der zum Sprung ansetzt; dem Kugelfisch kurz vor dem Platzen; dem farbwechselnden Leguan oder der Schleiereule, deren Gesicht einem Schalltrichter gleicht. Pavonis Illustrationen und Franziska Walthers Buchgestaltung verleihen dem Werk eine unvergleichlich haptisch-visuelle Kraft. Eine poetische Meisterwerkstatt der Metamorphose für Kinder mit Schritt-für-Schritt-Anleitung zu fabelhaft lyrischer Wort- und Bildkunst. Zum Einsatz in Kita, Bücherei und Schule „tierisch“ empfohlen.
Bettina Obrecht
Wo kommen die Ideen her?
Illustriert von Carla Haslbauer.
Mannheim: kunstanstifter 2026. 32 Seiten. 22 Euro.
ISBN 978-3-948743-57-4
Kinder haben oft die tollsten Ideen. Dabei zählt dieser Begriff selbst zum Grundbestand philosophischen Denkens. Das Bilderbuch möchte sichtbar machen, wodurch Ideen angeregt werden können, durch Menschen, Tiere, Gegenstände, Ereignisse, und widmet sich damit dem sowohl psychologisch als auch pädagogisch wichtigen Prozess der Ideenfindung. Die „Idee“ zu diesem Buch ist freilich ebenfalls hervorragend, denn Kinder werden nicht nur durch die gut 40 Verszeilen dazu angeregt, sich kreativ Gedanken zu machen, sondern vor allem auch durch die Bilder, die in ihrer vorsichtigen Gestaltung, ihren andeutenden Strichen und ihrer zarten Farbgebung nichts vorwegnehmen, sondern ihren animierenden Charakter bewahren. Kinder werden am Schluss verstanden haben, dass die Phantasie des Menschen unerschöpflich ist und dass es sich lohnt, immer neue Ideen zu entwickeln.
Michael Hammerschmid
wolkenschaum
gedichte für kinder
Illustriert von María José de Tellería.
Wien: Jungbrunnen 2025. 32 Seiten. 18 Euro.
ISBN 978-3-7026-5999-8
Seit Michael Hammerschmids Debüt Schlaraffenbauch, 2018 mit dem Josef Guggenmos-Preis ausgezeichnet, hat sich die deutschsprachige Kinderlyrik verändert. So viel kurzzeilige Poesie war nie, kindnah und leise, verspielt und überraschend, eher zu wenig als zu viel sagend und das große Geheimnis umstrahlend. So auch in diesem Bilderbuch farbenfroher Kinderlyrik. María José de Tellería hat sich dafür von Kinderzeichnungen inspirieren lassen und wunderbare Illustrationen gemalt, gezeichnet, geschnitten und geklebt. Zarte Motive werden angetippt: einfach stehenbleiben, zwischen Tropfen gehen, den Boden spüren. Wonach riecht der Schnee? „nach weißer/ straße aus licht!/ nach es blendet dich“ – oder „was du mit deinem lachen kannst: eisen verbiegen/ steine schmelzen/ menschen erschrecken/ die sonne aufwecken“. Die Gedichte von Michael Hammerschmid lassen die Sonne in uns nicht untergehen.
Ulla Schuh
Ich in 100 Teilen
Mit Illustrationen von Irmela Schautz.
Weinheim: Beltz & Gelberg 2026. 144 Seite. 15 Euro.
ISBN 978-3-407-79043-9
In ihrer Familie fühlt Rike sich als Außenseiterin. Es ist, als hätten die anderen – Vater, Mutter, ihre Schwester Larissa – unsichtbare Schwimmringe an, findet Rike, die sie auf Abstand halten. Umso spannender ist die Ankunft von Nicolai in Rikes Klasse, der sie ermutigt, die Dinge auszusprechen, die sie fühlt – und aufzuschreiben. Ulla Schuhs Ich in 100 Teilen ist ein Versroman und damit in derselben Form verfasst wie die erfolgreichen Jugendbücher von Sarah Crossan oder Anne Webers Heldinnenepos Annette. Schuh lotet aus, wozu diese Form in der Lage ist und was sie ermöglicht: Indem sie die hundert kurzen Kapitel, die selten mehr als eine Seite einnehmen, wie Mosaiksteine einer Biographie zueinander stellt und zugleich jedem von ihnen durch die lyrische Form in freien Versen eine eigene, in sich geschlossene Spannung verleiht, gewinnt das Werk an Dichte und Dringlichkeit. Rikes Erzählung erreicht dadurch zuverlässig ihr Publikum. Man wünscht sich, dass darunter auch ihre Familie ist.
Clemens J. Setz
Mopsfisch
Illustriert von Stefanie Jeschke.
Berlin: Insel 2025. 32 Seiten. 15 Euro.
ISBN 978-3-458-64500-9
„Mopsfisch lila./ Mopsfisch rot./ Mopsfisch Luftballonpilot!“ Drei funky Zeilen genügen und das Bilderbuch-Abenteuer beginnt. Der packende Sprachgroove wird beibehalten, das Abenteuer ausgeweitet: „Mopsfisch losflieg./ Mopsfisch land./ Mopsfisch hängt in Efeuwand.“ Clemens J. Setz zieht das in 32 Strophen durch und nimmt uns mit in Mopsfischs Wunderwelten, variantenreich und oft doppelseitig in Bilder übersetzt von Stefanie Jeschke. In seiner famosen Sprachmelodie wurde hier ein grandioses Vorlesebuch geschaffen, das einen verrückten Spagat kann: Zum einen beugt es verknappte Sprache ganz im Sinne moderner Poesie, zum anderen gerät die so geschaffene Mopsfisch-Sprache erstaunlich nah an (Klein-)Kindersprache. Dada lässt grüßen! Und zum Schluss? „Mopsfisch glotzglotz./ Mopsfisch stutzt./ Mopsfisch ist total verdutzt!“ – Die große Liebe wartet. Wir Sprachliebende spüren sie beim Vor- und Mitlesen längst.
Die gesamte Pressemitteilung zum Herunterladen: Josef Guggenmos-Preis 2026 für Jutta Richter






2024: Regina Schwarz
Die Jury des diesjährigen Guggenmos-Preises hatte wieder aufs Beste zu tun: 62 Lyrikbände, Bilderbücher und Gedichtsammlungen aus den Produktionen deutschsprachiger Gedichtbände der Jahre 2022 bis 2024 wurden eingereicht und geprüft.
Herzliche Gratulation der Schriftstellerin Regina Schwarz zum Josef Guggenmos-Preis für Kinderlyrik!
Weitere sechs besonders gelungene Werke hat die Jury für die Empfehlungsliste ausgewählt.
Regina Schwarz, geboren 1951 in Bonn, ist studierte Grundschullehrerin und Sozialpädagogin. Die ersten Reime schrieb sie bereits während des Studiums; mittlerweile liest man ihre Geschichten und Bilderbuchtexte, Sprachspielereien, Zungenbrecher sowie humorvollen und poetischen Texte für Groß und Klein in eigenständigen Publikationen sowie in Schulbüchern, Anthologien und Zeitschriften.
Zu Regina Schwarz’ Auszeichnungen gehören u. a. der „Bad Wildbacher Kinder- und Jugendliteraturpreis“ und „Die Schönsten Deutschen Bücher“. Bereits 2020 stand sie auf der Empfehlungsliste des Josef Guggenmos-Preises für Kinderlyrik der Deutschen Akademie für Kinder- und Jugendliteratur.

Regina Schwarz
Foto: © Kerstin Stelter
Regina Schwarz
Meine Geheimschublade
Gedichte für Kinder
Mit Illustrationen von Cora Meyer.
Zürich: SJW Schweizer Jugendschriftenwerk 2024.
32 Seiten. 9 Euro.
ISBN 978-3-7269-0421-0
Wenn wir mit dem Öffnen des Buches von Regina Schwarz auch ihre Geheimschublade öffnen, dürfen wir uns auf ein lyrisches Schatzkästlein gefasst machen. Der Ton der 26 Gedichte ist unironisch und nah. Man spürt beim Lesen, dass diese Gedichte niemandem irgendetwas beweisen müssen. Sie tragen keinerlei Manie vor sich her, stattdessen dampfen sie einfach ihre Lebenserfahrung und Herzenswärme aus. Wieviel ist das heute wert!
„Ein Trommelregenlied für dich. / Ein Trommelregenlied für mich.“
Die Pointen sind keine lauten Knaller, sondern fein gesetzt; in aller Altersgelassenheit ist kein Geschrei mehr nötig. Vieles findet in diesen Gedichten Platz, das Große, das Kleine, Träume und Sorgen, heute und morgen.
Auch die Oma, deren Geburtstag gefeiert wird, die aber nicht mehr in der Lage ist, ihr Enkelkind noch zu erkennen, bekommt ein sanftes Gedicht. Da springt die Empathie sofort über!
Ein weiteres kleines Wunder dieses Bandes ist, dass sich Regina Schwarz’ Altersweisheit mit dem jungen, wegweisenden Layout voll mutiger Aquarell-Illustrationen von Cora Meyer mischt. Vital und frech – schlichtweg State of the art! Mit diesen Gedichten und Gedanken lässt sich wunderbar eine „Kuschelwuschwelweiche / Sofaauszeit nehmen“ und dabei „schneckentempogemütlich / der Tag vertrödeln“.
Zur Preisverleihung lädt die Deutsche Akademie für Kinder- und Jugendliteratur mit der Schwabenakademie und der Marktgemeinde Irsee für Freitag, 28. Juni 2024, 19 Uhr, nach Irsee. In einer Feierstunde wird der Josef Guggenmos-Preis für Kinderlyrik 2024 im neuen Gartensaal des Schwäbischen Bildungszentrums Irsee verliehen. Die Laudatio auf Preisträgerin Regina Schwarz hält der amtierende Josef Guggenmos-Preisträger Nils Mohl. Die musikalische Rahmung mit dem Violoncello übernimmt Magdalena Simm. Der Eintritt ist frei, um Anmeldung wird gebeten.
Anmeldungen zur Veranstaltung und Fragen zur Übernachtung sind an die Schwabenakademie Irsee, Klosterring 4, 87660 Irsee oder unter der Rufnummer 08341 906-661 bzw. -662 sowie per E-Mail zu richten.
Irsee ist der Geburtsort von Josef Guggenmos (1922–2003), hier verbrachte er einen Großteil seines Lebens. Zu seinem Gedenken wird seit 2016 der Kinderlyrikpreis von der Deutschen Akademie für Kinder- und Jugendliteratur verliehen. Die Raiffeisenbank Kirchweihtal und die Sparkasse Allgäu statten den Preis mit 3.000 Euro aus. Die Vergabe des Preises unterstützen neben der Kulturstiftung Irsee die Marktgemeinde Irsee sowie die Schwabenakademie Irsee. Von der Akademie Faber-Castell wird ein „perfekter“ Bleistift überreicht, der das Schreiben weiterer preiswürdiger Gedichte inspirieren soll.
Die Jury für den Josef Guggenmos-Preis für Kinderlyrik 2024
- Arne Rautenberg (Jury-Vorsitz, Preisträger 2016, Lyriker)
- Prof. Dr. Dr. Kurt Franz (Ehrenpräsident der Akademie)
- Nils Mohl (Preisträger 2022, Lyriker)
- Dr. Claudia Maria Pecher (Präsidentin der Akademie)
- Dr. Tilman Spreckelsen (Redakteur, FAZ)
EMPFEHLUNGSLISTE 2024
Uwe-Michael Gutzschhahn (Hrsg.)
Dunkel war’s, der Mond schien helle
Weitergedichtet von Paul Maar, Heinz Janisch, Uwe-Michael Gutzschhahn u. a.
Mit Illustrationen von Jens Rassmus.
Stuttgart: Aladin 2023. 40 Seiten. 16 Euro.
ISBN 978-3-8489-0210-1
Wir alle kennen und lieben das von Paradoxien getragene Scherzgedicht „Dunkel war’s, der Mond schien helle, / schneebedeckt die grüne Flur, / als ein Wagen blitzesschnelle, / langsam um die Ecke fuhr.“ Nun hatte Uwe-Michael Gutzschhahn die glänzende Idee, das berühmte Gedicht vom Who’s who der herausragendsten Kinderdichterinnen und -dichter weiterdichten zu lassen. Herausgekommen sind zwölf funkelnagelneue, in fließende Verse gegossene surreale Unvorstellbarkeiten, die allein beim (Vor)Lesen gewaltig Laune machen. Wie der Bilderbuchkünstler Jens Rassmus die irren und irrigen Verse in surreale Bildwelten übersetzt hat, das verdient Respekt! Ein Bilderbuch, welches dem herrlichen Unsinn, zu dem unser Denken fähig ist, voller Lust nachsteigt. Bereits jetzt ein gereimter Bilderbuch-Klassiker, der in jedem Kinderzimmer stehen sollte!
Astrid*Walenta
Dort fliegt sie!
Mit Illustrationen von Svenja Plaas.
Gmünd: Verlag Bibliothek der Provinz 2023. 192 Seiten. 10 Euro.
ISBN 978-3-9912-6187-2
Auch so lassen sich Gedichte veröffentlichen: Gut eingebettet in ein postkartengroßes, knapp 200 Seiten starkes Buch in schockigem Rapsgelb. Beim Durch-die-Hand-laufen-lassen kommen die Gedichte von Astrid*Walenta inmitten der Skizzenbuch-Ästhetik wie fröhliche Einsprengsel daher. „wir / sind / wirr / sind / wir“. Toll, wie die Gedichte von den mehrseitigen Bildsequenzen von Svenja Plaas umspielt werden. Flatterhaft, leicht: „fragt ein metterschling / einen schletterming / liebst du auch so / staubenblüt?“ Es geht immer auch anders, ein paar treffende Worte, ein paar David-Shrigley-artige Striche genügen für diesen frischen Auftritt zeitgemäßer Lyrik. Wunderbar auch für jüngere Leserinnen und Leser geeignet. „die welt ist so vielfältig / man muss nur seine / falte finden“.
Danilo Pockrandt (Text & Ill.)
Das Lepomu und andere Wunderwesen
Ein Bestimmungsbuch
Halle: Hasenverlag 2023. 100 Seiten. 25 Euro.
ISBN 978-3-9453-7787-1
Was wäre, wenn sich unsere Stärken, Schwächen, Eigenarten und Ticks in Lebewesen verwandeln könnten? Hätten wir dann keine Hände wie der Lammtroll, weil wir nicht zupacken mögen? Oder wären wir wie der Raffspitz – „so nett wie nötig, so gemein wie möglich“? Danilo Pockrandt, Dichter und Künstler aus Halle, ist der Schöpfer einer ganzen Welt von wirklich erstaunlichen Kreaturen – in Wort und Bild. In seinem staunenswerten Bestimmungsbuch mit den dreifarbigen Tuschezeichnungen lernen wir zum Beispiel den Liebglubsch kennen, der nur lieb schauen kann: „Das Problem ist, dass niemand sieht, wenn es ihm schlecht geht.“ Und das garstige Ellenauge, Türsteher der Tiefsee, das ohne Tür auskommen muss. Und nicht zuletzt gibt es da natürlich das titelgebende Lepomu mit dem Riesenschädel: „Mitunter denkt es, dass der Kopf nicht zu groß, sondern die Beine einfach zu schmal sind. Wenn es das zu Ende gedacht hat, fängt es wieder von vorne an.“ Das alles besticht durch Witz. Das zelebriert die Wunder der Fantasie. Das hat vor allem viel Poesie. Was für ein herrlicher Reigen: Die Wesen auf diesen 100 Seiten sind wie das Buch selbst: einfach wundervoll!
Hanna Johannsen
Alphabet der Träume
Gedichte für Kinder
Mit Illustrationen von Rotraut Susanne Berner.
Herausgegeben von Uwe-Michael Gutzschhahn.
München: dtv 2022. 80 Seiten. 16 Euro.
ISBN 978-3-4236-4097-8
„Wenn euch mein wildes Hexen stört, / dann hex ich, dass mich niemand hört“, heißt es in Hanna Johansens „Hexengedicht“, das im letzten Teil des Sammelbandes Alphabet der Träume steht, und mit der Ungehörtheit ist es gottseidank nicht weit her. Uwe-Michael Gutzschhahn hat das Buch herausgegeben, erschienen ist es 2022, ein Jahr vor dem Tod der Autorin. Im Zentrum stehen die alphabetisch angeordneten, von Rotraut Susanne Berner wundervoll illustrierten Nachtgedichte, die von Träumen und den dort möglichen Begegnungen mit tröstlichen oder erschreckenden Wesen erzählen oder von solchen, die schillernd beides in sich tragen. Form- und stilbewusst sind diese Texte, gediegen auch, aber immer wieder auch von der sinnumgestaltenden Kraft der Poesie getragen, die keinen Stein auf dem anderen lässt, um daraus Luftschlösser zu errichten. „Hab schon die ganze Welt verschoben“, heißt es am Schluss des Hexengedichts. Wer wollte Johansen da widersprechen?
Heinz Janisch
Auf dem Weg
Mit Illustrationen von Helga Bansch.
Wien: Jungbrunnen 2024. 32 Seiten. 17 Euro.
ISBN 978-3-7026-5989-9
Dem bekannten österreichischen Kinderbuchautor Heinz Janisch genügen zehn zusammengesetzte Wörter, paarweise gereimt, um einen langen abenteuerlichen Weg zu imaginieren, den eine Maus zu bewältigen hat. Von Feuerball und Wasserfall geht es über Monsterberg und Zauberzwerg, Urwaldwiese und Nebelriese, Ritterglanz und Elfentanz bis zu Katzenturm und Blumensturm. Dabei sind verschiedenartige brenzlige Situationen zu bewältigen. Endlich ist das Ziel erreicht, das „Du“ in Gestalt einer Henne. Aber damit sind der kindlichen Phantasie noch keine Grenzen gesetzt, denn die Maus hat ihrer Freundin von jeder Station ein „Souvenir“ mitgebracht, einen Stein, ein Papierschiffchen, eine Schnecke, einen Pilz … Dies alles ist von Helga Bansch hervorragend in Bilder umgesetzt. Die jeweils doppelseitigen, in sich völlig stimmigen Illustrationen sind von beeindruckender farblicher Intensität und regen zu genussvollem Betrachten und kreativem Suchen an.
Lorenz Pauli
Kreidolf reloaded
Mit Illustrationen von Ernst Kreidolf.
Zürich: NordSüd 2023. 64 Seiten. 22 Euro.
ISBN 978-3-314-10654-5
Das Buch ist eine Hommage an den berühmten Schweizer Bilderbuchautor, der schon vor vielen Jahrzehnten mit seinen märchenhaften Illustrationen Kinder und Erwachsene gleichermaßen verzaubert hat. Der Schweizer Autor Lorenz Pauli hat 25 Kreidolf-Bilder ausgewählt und dazu Gedichte verfasst, bei denen es sich nie um bloße Beschreibungen handelt. Aufgrund der zarten Vorbilder stellt er zeitlose Lebenssituationen vor und versteht es gleichzeitig, in eleganter und unaufdringlicher Weise humane Grundsätze einzuflechten: die Einzigartigkeit des Individuums, die Gleichwertigkeit der Menschen, die Beachtung von Minderheiten oder die Notwendigkeit friedlichen Zusammenlebens. So gelingt ihm eine ideale Symbiose zwischen Bild und Text, zwischen Altem und Neuem, so dass der Titelbegriff „reload“ im Sinne von „nachladen“ oder „neu laden“ seine volle Berechtigung hat.
Die gesamte Pressemitteilung zum Herunterladen: Josef Guggenmos-Preis 2024 für Regina Schwarz







2022: Nils Mohl
Die Jury des diesjährigen Guggenmos-Preises hatte wieder aufs Beste zu tun: 53 Lyrikbände, Bilderbücher und Gedichtsammlungen aus den Produktionen deutschsprachiger Gedichtbände der Jahre 2020 bis 2022 wurden eingereicht und geprüft.
Herzliche Gratulation dem Hamburger Schriftsteller Nils Mohl zum Josef Guggenmos-Preis für Kinderlyrik!
Weitere sechs besonders gelungene Werke hat die Jury für die Empfehlungsliste ausgewählt.
Nils Mohl, geboren 1971, lebt als freier Schriftsteller und Drehbuchautor in Hamburg. Für sein Werk wurde er vielfach ausgezeichnet, u. a. mit dem Deutschen Jugendliteraturpreis, dem Österreichischen Kinder- und Jugendbuchpreis, der Lola in Bronze beim Deutschen Filmpreis, dem Oldenburger Kinder- und Jugendbuchpreis und einem Stipendium am Deutschen Studienzentrum in Venedig.

Nils Mohl
Foto: © a_mo
Nils Mohl
An die, die wir nicht werden wollen
Eine Teenager-Symphonie
Mit Illustrationen von Regina Kehn.
Innsbruck: Tyrolia 2021.
168 Seiten. 17,95 Euro. Ab 12 Jahren.
ISBN 978-3-7022-3956-5
Auf „Klimbimsons Insel“ lebt es sich ganz gut, das Wetter ist erfreulich, das Meer nah, sogar Satellitenfernsehn gibt es. Nur mit dem Kontakt zu anderen Menschen hapert es. Als es der Insulaner nicht mehr aushält, ruft er seine Einsamkeit in die Welt hinaus, probiert sinnvolle und unsinnige Anreden, bis er sich schließlich an diejenigen wendet, die gerade da sind – Kokosnüsse. „‚Na ihr‘, sagst du höflich, als du auf sie zugehst, ‚guten Tag, mein Name ist Klimbimson Kreuzer.‘“ Das Gedicht steht auf den ersten Seiten von Nils Mohls Band An die, die wir nicht werden wollen. Und wer ihn liest, wer sich auf die 168 von Regina Kehn vorzüglich illustrierten Seiten einlässt, der entscheidet selbst, ob er sich als Kokosnuss versteht, die von einem mitteilungsbedürftigen Einsamen wehrlos zugetextet wird, oder ob er sich auf das formal anspruchsvolle, schwierige, struppige, variantenreiche und dabei immer wieder funkelnd virtuose Buch einlässt.
Nils Mohl, Jahrgang 1971, der für sein jugendliterarisches Werk bereits vielfach ausgezeichnet wurde, entfaltet mit seinen mal mehr, mal weniger augenfällig geformten Gedichten, eingebauten Kommentaren und kurzen Prosastücken das Bild eines Übergangs zwischen Kindheit und Erwachsenenalter. Es ist der Countdown jener Zeit, in der die Erwartung der Welt dringlicher und das Widerstreben dagegen naturgemäß größer wird. Mohls Protagonist entwickelt dafür eine sehr besondere Perspektive und bietet sie jüngeren und älteren Lesern gleichermaßen an. Unsicherheit, Abwehr und zugleich Neugier auf das, was kommt, prägen diese „Teenager-Symphonie“, so der Untertitel des Buches. Ganz ähnlich wie das von seinem Urheber Brian Wilson ebenso bezeichnete Albumprojekt „Smile“ ist An die, die wir nicht werden wollen eine künstlerische, durchaus an lyrischen Traditionen geschulte Abbildung jener widersprüchlichen, chaotischen und intensiven Emotionen, die mit jenem unwiederbringlichen Alter einhergehen.

Zur Preisverleihung laden die Deutsche Akademie für Kinder- und Jugendliteratur mit der Schwabenakademie und der Marktgemeinde Irsee für den 1. Juli 2022 nach Irsee. In einer Feierstunde werden die Josef Guggenmos-Preise für Kinderlyrik 2020 und 2022 in die Schwabenakademie Irsee verliehen. Die Laudatio auf den Preisträger 2022, Nils Mohl, hält der Juryvorsitzende Arne Rautenberg.
Da die Preisverleihung 2020 pandemiebedingt nicht stattfinden konnte, wird in diesem Jahr auch die Schweizer Lyrikerin Leta Semadeni mit ihrem Werk Tulpen / Tulipanas gewürdigt, die Laudatio spricht der Wiener Dichter Michael Hammerschmid.
Der 2016 erstmals verliehene Kinderlyrikpreis wird von der Deutschen Akademie für Kinder- und Jugendliteratur verliehen. Die Raiffeisenbank Kirchweihtal stattet den Preis mit 3.000 Euro aus. Die Vergabe des Preises unterstützen neben der Kulturstiftung Irsee die Marktgemeinde Irsee sowie die Schwabenakademie Irsee. Von der Akademie Faber-Castell wird ein „perfekter“ Bleistift überreicht, der das Schreiben weiterer preiswürdiger Gedichte inspirieren kann.
Die Jury für den Josef Guggenmos-Preis für Kinderlyrik 2022
- Arne Rautenberg (Lyriker, Preisträger 2016, Jury-Vorsitz)
- Prof. Dr. Dr. Kurt Franz (Ehrenpräsident der Akademie)
- Michael Hammerschmid (Lyriker, Preisträger 2018)
- Dr. Claudia Maria Pecher (Präsidentin der Akademie)
- Dr. Tilman Spreckelsen (Redakteur, FAZ)
Irsee ist der Geburtsort von Josef Guggenmos (1922–2003), hier verbrachte er einen Großteil seines Lebens. Im Rahmen des Festakts wird auch an den 100. Geburstag des Autors und Dichters Josef Guggenmos erinnert mit dem neuen Büchlein Du darfst den Kuchen auch versuchen. Josef Guggenmos – vierzehn Gedichte in der Reihe „Literarische Blütenlesen bekannter Kinder- und Jugendbuchautoren“.
Die Preisverleihung wird musikalisch von der Josef-Guggenmos-Grundschule umrahmt. Der Eintritt zur Veranstaltung am 1. Juli um 19 Uhr im neuen Gartensaal von Kloster Irsee ist kostenfrei.
Anmeldungen zur Veranstaltung und Fragen zur Übernachtung sind zu richten an
Schwabenakademie Irsee
„Josef Guggenmos-Preis für Kinderlyrik“
Klosterring 4, 87660 Irsee
oder unter der Rufnummer 08341 906-661 bzw. -662 sowie per E-Mail.


Die Jury für den Josef Guggenmos-Preis für Kinderlyrik 2022
- Arne Rautenberg (Lyriker, Preisträger 2016, Jury-Vorsitz)
- Prof. Dr. Dr. Kurt Franz (Ehrenpräsident der Akademie)
- Michael Hammerschmid (Lyriker, Preisträger 2018)
- Dr. Claudia Maria Pecher (Präsidentin der Akademie)
- Dr. Tilman Spreckelsen (Redakteur, FAZ)
EMPFEHLUNGSLISTE 2022

Andrea Karimé
Planetenspatzen
Mit Illustrationen von Raffaela Schöbitz.
Wien: Picus 2022. 64 Seiten. 15,00 Euro.
ISBN 978-3-7117-4025-0
Die mehrsprachig aufgewachsene Autorin versteht es ausgezeichnet, ihre Kompetenz literarisch umzusetzen. Ihre 27 Kindergedichte beruhen jeweils auf dem Wort einer fremden Sprache, das sie sprachspielerisch und humorvoll in deutschsprachige „Unsinnsreime“ verarbeitet. Diese lassen aber durchaus einen Sinn erkennen, vor allem durch die Bedeutung und die Assonanz der fremden Wörter, die sinnvollerweise farbig abgesetzt sind und deren Herkunft am Schluss erklärt wird, sodass bei Kindern Sensibilität für andere Sprachen entsteht. Wie herrlich sind Spielereien mit Wörtern wie dem kroatischen „lisa litza“ (Lutscher), dem polnischen „papuga“ (Papagei), dem tschechischen „knischka“ (Büchlein), dem griechischen „kokoras“ (Hahn) oder dem italienischen „spazio“ (Weltall). Bei aller sprachlichen Innovation werden die Kinder, die am Ende manchmal Hinweise zum (Vor )Lesen des Gedichts oder zum Selberdichten erhalten, Vieles entdecken, was an Märchen, Zaubersprüche und Abzählreime erinnert. Die phantasievollen ganzseitigen Illustrationen bilden eine sinnvolle Ergänzung zu den poetischen Texten.

Manfred Schlüter (Text und Ill.)
Guruku Gugukuru
Gedichte für Kinder und andere Menschen
Weitra/A: Verlag Bibliothek der Provinz 2020. 88 Seiten. 18,00 Euro.
ISBN 978-3-99028-929-7
Mit Guruku Gugukuru hat der öfter ausgezeichnete Autor und Illustrator ein rundum gelungenes Buch geschaffen. In drei Kapiteln – EINS, ZWEI, DREI – denen er in traditioneller Weise inhaltliche Appetitmacher voranstellt, präsentiert er jeweils 16 Gedichte verschiedenster Art, sowohl was die Themen wie auch Sprache und Form betrifft, wobei sich vom Willkommensgedicht „Hallo!“ bis zum letzten Gedicht „Abschied“ ein sinnvoller Reigen ergibt. Auch wenn Schlüter seine großen Vorbilder wie Morgenstern und Ringelnatz nicht verleugnet, so sind seine sprachspielerischen, oft lautmalerischen Texte, deren Provenienz vom klassischen Reim („Heimatkunde“) bis zur konkreten Poesie („Klagelied einer stotternden Katze“) reicht, sehr innovativ. Seine Texte sind von Humor und hintergründigem Witz getragen und warten mit erstaunlichen Pointen auf, sein Ideenreichtum und seine sprachliche Gestaltungskraft scheinen unerschöpflich. So wird dieser bibliophil gestaltete bunte Gedichtreigen sowohl Kindern wie Erwachsenen große Freude bereiten.

Mathias Jeschke
Knackwurst und Rakete
Gedichte für Kinder und alle, die es werden wollen
Mit Illustrationen von Maja Bohn.
Frankfurt am Main: FISCHER Sauerländer 2021. 96 Seiten. 15,00 Euro.
ISBN 978-3-7373-5711-1
Lyrische Vielfalt macht Spaß! In acht Kapiteln rauscht der Stuttgarter Kinderlyriker Mathias Jeschke durch allerlei Phänomene und Gefühlslagen: Essen, Tiere, Fußball, Liebe, Wortspiel … Formal gelingt es ihm, die kinderlyrische Klaviatur breit anzuspielen: Vom freien Vers zum Reim, vom vertrackten Konzept- zum Listengedicht, vom Vierzeiler zur Fußballade wird in diesem von Maja Bohn frisch und frech illustrierten Gedichtband gelacht, geliebt, getrauert, gefeiert. Mit Schwung wird uns hier eine volle Kelle Lebensfreude aufgefüllt. Auch die leisen Töne kommen nicht zu kurz. Allerdings zeichnet sich der Band durch seine feinen lyrischen Einfälle aus, die einfach Spaß machen: Warum ist denn die Butter heute so ausgelassen?

Uwe-Michael Gutschhahn
Mäusekino
Ein Versfest für Kinder
Mit Zeichnungen von Manfred Schlüter.
Nettetal: elif 2020. 124 Seiten. 14,00 Euro.
ISBN 978-3946989295
Uwe-Michael Gutzschhahns Mäusekino lässt sich als Einführung in die Kunst des Mausgedichts in vier Kapiteln beschreiben. Das erste gilt der Erinnerungsarbeit des Dichters Gutzschhahn, der seine ersten als Kind verfassten Mäusegedichte rekonstruiert. Das zweite einer Sammlung von Mäusegedichten von Kindern. Das dritte Anregungen zum Weiter- und Selberschreiben und das vierte Mäusegedichten von Kinderlyrikern, nunmehr Mäusegedichtdichterinnen und dichter. Auf diese Weise entpuppt sich dieses mäusische Kompendium als eine Schule, ja Poetik des Mausgedichts: lehrreich, witzig, inter- und reaktiv und ganz sicher höchst kreativ. Den Gedicht- und/oder Mausinteressierten jeden Alters sei es mäusisch empfohlen. Sechs atmosphärisch stark aufgeladene Bilder von Manfred Schlüter und ein echtes Mäusedaumenkino runden das Werk ab.

Micaela Chirif
Das Meer
Mit Illustrationen von Armando Fonseca, Amanda Mijangos & Juan Palomino.
Aus dem Spanischen von Jochen Weber.
Basel: Baobab Books 2022.
40 Seiten. 18,50 Euro. Ab 5 Jahren.
ISBN 978-3-9072-7711-9
Die peruanische Kinderlyrikerin Micaela Chirif zaubert in Das Meer einen Reigen von elf Gedichten, in denen der Himmel, der Oktopus, der Wal, die Meerjungfrau, Fische, Sterne, Wolken, der Fischer, der Tiger, der Fluss und das Meer eine elementare und magische Welterkundung in Gang bringen. Jedes Phänomen, jedes Wort, jede Figur wird mittels Wiederholung auf dem Grat zwischen Nennen, Wundern und Wahrnehmen in poetische Schwingung versetzt. Einmal heißt es „Die Träume des Oktopus sind voller Wasser / Die Träume des Wassers sind voller Oktopusse / die träge auf dem Meeresgrund schlafen“. Illustriert wurde der Band mit derselben Sensibilität für das Sein und das Nichtsein wie sie sich in den Gedichten ausdrückt, zwischen suggestiver Farb- und Formgebung und der Weite des weißen Papiers.

Andrea Schomburg
Mattwoch, der 35. Miau
Der verfluxte Bachstubentag
Mit Illustrationen von Barbara Scholz.
Frankfurt am Main: FISCHER Sauerländer 2022. 32 Seiten. 15,00 Euro.
ISBN 978-3-7373-5771-5
Nimm dich in Neun vor diesem Bilderbuch! Ein paar kleine Wort- und Vokalverschiebungen reichen, um den herkömmlich erwartbaren Sinn aus den Angeln zu heben. Und am Mattwoch, dem 35. Miau, ist genau das der Fall. Aus der Mama wird die Mimi, und die kocht Wickelpudding mit Vanillesuse, denn ihr Sohn, Herr Käsemeer, rückt an. Ein bisschen gaga, ein bisschen Dada, aus der Ferne grüßen Erich Kästners 35. Mai bzw. Mathias Jeschkes „Wechstabenverbuchsler“. Jedenfalls lädt das von Barbara Scholz leicht wimmelig und mit allerlei zusätzlichen Wunderworten illustrierte Buch zum fröhlichen Lese-Entdecken ein. Besonders geeignet für junge Erstleserinnen und Erstleser, welche den Worten, die hier zu entschlüsseln sind, sicherlich erst mit einem ungläubigen Schmunzeln begegnen werden – bevor sie sich ans Enträtseln des eigentlichen Wortsinns machen.
Die gesamte Pressemitteilung zum Herunterladen: PM Josef Guggenmos-Preis 2022 für Nils Mohl





2020: Leta Semadeni
Leta Semadeni
Tulpen / Tulipanas
Mit Illustrationen von Madlaina Janett und einem Nachwort von Rico Valär.
Zürich: SJW Schweizerisches Jugendschriftenwerk 2019.
32 Seiten. 8,00 Euro.
ISBN 978-3-7269-0185-1
„Die Sonne / fährt Velo / am Ufer entlang“ heißt es einmal. Ein andermal „Die Mähne des Windes / hat die Tür geöffnet / die in den Garten führt“ oder „Nachts verlässt Lilli / das Haus und / streut ihre Augen aus / über die Straße.“ Von solchen ersten Strophen aus entwirft Leta Semadeni das Wunderbare, lässt die Bilder und Augen, die Sonne und den Wind aus und folgt ihnen zweisprachig auf Rätoromänisch und Deutsch beim Zaubern, beim Tanzen, beim Erforschen der Welt, die bei Semadeni immer wieder mit einem Erstaunen beginnt, um die Wörter und ihre Poesie umso intensiver leuchten zu lassen. Was sie dabei entdeckt und entdecken macht, ist nichts weniger als die Zauberkraft selbst, die im Alltag und in den Worten steckt und nur darauf zu warten scheint, wahrgenommen und befreit zu werden. „Metta / il cour / aint illa locca // Fa ün sigl / sainza rait / sülla prosma / lingia” heißt es in „Gedichte lesen“ / „Leger poesias“: „Leg / das Herz / in die Lücke // Spring / ohne Netz / auf die nächste / Zeile.“ Im Dazwischen liegt die Poesie dieser Gedichte, und im Mut, „ohne Netz / auf die nächste / Zeile“ zu springen. Die rotblauen Illustrationen von Madlaina Janett nehmen den Ball der Freiheit mit großer Sensibilität auf und überwinden die Grenzen von Seite und Schwerkraft. Ja, mit Mut und für Mut wird man in diesem Bändchen reichlich belohnt!

Leta Semadeni, geboren 1944 in Scuol/Schweiz, studierte Sprachen an der Universität Zürich, in Perugia und Quito/Ecuador. Sie unterrichtete an Schulen in Zürich und im Engadin. Seit 2005 widmet sie sich ausschließlich dem Schreiben, publiziert Prosa und Gedichte in Rätoromanisch und Deutsch. Ihr erster Roman Tamangur (2015) wurde 2016 mit dem Schweizer Literaturpreis ausgezeichnet. 2017 erhielt Leta Semadeni den Kulturpreis des Kantons Graubünden für ihr Lebenswerk.

Leta Semadeni,
Foto:
© Georg Luzi
Die Preisvergabe hätte am 26. Juni 2020 im Rahmen der Fachtagung „Kinderlyrik: Motor des frühkindlichen Sprach- und Bildungsverstehens“ in der Schwabenakademie Irsee stattfinden sollen, dem Lebensort des namensgebenden Lyrikers Josef Guggenmos (1922–2003). Auch ein späterer Termin im November 2020 konnte coronabedingt nicht stattfinden. Ein angemessener Festakt findet (hoffentlich) im Jahr 2021 in Irsee statt …
Der 2016 erstmals verliehene Kinderlyrikpreis wird von der Deutschen Akademie für Kinder- und Jugendliteratur verliehen. Die Raiffeisenbank Kirchweihtal stattet den Preis mit 3.000 Euro aus. Die Vergabe des Preises unterstützen neben der Kulturstiftung Irsee die Marktgemeinde Irsee sowie die Schwabenakademie Irsee. Von der Akademie Faber-Castell wird ein „perfekter“ Bleistift überreicht, der das Schreiben weiterer preiswürdiger Gedichte inspirieren kann.
Die Jury für den JOSEF GUGGENMOS-PREIS FÜR KINDERLYRIK 2020
- Arne Rautenberg (Lyriker, Preisträger 2016, Jury-Vorsitz)
- Prof. Dr. Dr. Kurt Franz (Ehrenpräsident der Akademie)
- Michael Hammerschmid (Lyriker, Preisträger 2018)
- Dr. Claudia Maria Pecher (Präsidentin der Akademie)
- Dr. Tilman Spreckelsen (Redakteur, FAZ)
EMPFEHLUNGSLISTE 2020
Die Jury des diesjährigen Guggenmos-Preises hatte wieder erfreulich zu tun: 32 Gedichtbände, Bilderbücher, Gedichtsammlungen mit Erscheinungsjahr 2018 bis 2020 wurden gesichtet, es gab Entdeckungen und Wiederentdeckungen: Der hervorragend von Ursula Remmers und Ursula Warmbold herausgegebene Sammelband Oben schwimmt die Sonne davon mit Gedichten der bedeutenden Lyrikerin Elisabeth Borchers (1926–2013) gehört dazu (dtv 2019, Reihe Hanser); solch verlegerisch mutige Bücher helfen, dass wichtige Positionen, selbst wenn sie zu verblassen drohen, zurück in unsere Lesesphäre geraten – danke dafür!
Des Weiteren gratulieren wir Uwe-Michael Gutzschhahn, der nun seit fünf Jahren unermüdlich in seinem Kindergedichte-Blog auf der Website der Zeitschrift DAS GEDICHT weiter nach frischen lyrischen Trüffeln forscht; 59 Autorinnen und Autoren haben für seinen Blog bereits ihr Schatzkästchen geöffnet und lassen uns an ihren unveröffentlichten Gedichten für Kinder teilhaben. Ein herrlich inspirierendes Füllhorn!
Wie unsere Empfehlungsliste zeigt, lebt die aktuelle Kinderlyrik auf vielerlei Weise fort und es gibt einiges zu entdecken:

Kenn Nesbitt (Hrsg.)
Jetzt noch ein Gedicht, und dann aus das Licht!
Gedichte zur guten Nacht
Mit Illustrationen von Christoph Niemann und einem Vorwort von Michael Krüger.
München: Carl Hanser 2019. 184 Seiten. 22,00 Euro.
ISBN 978-3-446-26438-0
100 englische Gutenachtgedichte von knapp ebenso vielen übersetzenden deutschsprachigen Dichterinnen und Dichtern: Kenn Nesbitt, seines Zeichens „Children’s Poet Laureate“ 2013–2015, präsentiert als Herausgeber dieser Anthologie eine bienenschwarmgleiche Sammlung von Gutenachtgedichten, in denen sich die Reime, Bilder und Klänge nur so tummeln und mit ihnen Bären, Teddys, Flattertiere oder auch die sonderbare Pelzforelle. Begleitet wird das Gedichte-Orchester illustratorisch von Christoph Niemann, der zu jedem Gedicht einen überraschenden und treffenden zeichnerischen Gedanken formuliert.


Nils Mohl
der könig der kinder
gedichte
Mit Illustrationen von Katharina Greve.
München: mixtvision 2020.
64 Seiten. 16,00 Euro.
ISBN 978-3-95854-155-9
Nils Mohl
tänze der untertanen
gedichte
Mit Illustrationen von Katharina Greve.
München: mixtvision 2020.
64 Seiten. 16,00 Euro.
ISBN 978-3-95854-156-6
Ein Band für Kinder, einer für Jugendliche, beide illustriert von Katharina Greve. Besonders in tänze der untertanen zeigt sich der Jugendbuchautor Mohl in großer Form. Überraschend in seinen Wendungen und doch geschlossen bis zur schieren Konsequenz, frei fliegend und immer auf den Punkt, formbewusst und verspielt – Nils Mohls Gedichte sind ein hervorragendes Beispiel dafür, wohin es einen tragen kann, wenn man anhebt mit Zeilen wie „du machst urlaub in malmö / das juckt mich nicht / nö! // du drehst um bei jeder bö / mach ich da mit? / nö!“ Gewidmet ist der Band den „halunken und halunkinnen“, das heißt hier: „für alle, die noch wachsen“. Schwer vorzustellen, nicht dabei zu sein.

Regina Schwarz
Wen du brauchst
Mit Illustrationen von Stefanie Harjes.
München: Tulipan 2019. 28 Seiten. 12,00 Euro.
ISBN 978-3-86429-417-4
Das bibliophil gestaltete Bilderbuch Wen du brauchst basiert auf einem Gedicht von Regina Schwarz, die mit ihren Sprachspielen und humorvollen, aber auch nachdenklich stimmenden Gedichten seit langem erfolgreich ist. Es ist erstaunlich, aber zwölf Gedichtzeilen ergeben ein rundum gelungenes Buch. Zu jeweils einer Textzeile – manchmal nur ein oder zwei Wörter – hat Stefanie Harjes mit unglaublicher Leichtigkeit eine Doppelseite bildnerisch gestaltet, abwechslungsreich, witzig, hintergründig, poetisch. Die feinen Zeichnungen sind kongenial, sie erläutern und ergänzen den Text, ganz gleich ob man einen zum „Regenbogen-Suchen-Gehn“ oder zum „Fest-aufdem-Boden-Stehn“, zum „Lachen“ oder zum „Weinen“ braucht. So gibt es für Kinder, am besten zusammen mit Erwachsenen, viel zu entdecken und über die Unabdingbarkeit menschlichen Miteinanders in allen Lebenslagen nachzudenken.

Elisabeth Steinkellner
Vom Flaniern und Weltspaziern
Reime und Sprüche
Mit Illustrationen von Michael Roher.
Innsbruck / Wien: Tyrolia 2019. 112 Seiten. 16,95 Euro.
ISBN 978-3-7022-3741-7
Der Doppeltitel Flaniern und Weltspaziern, der in einer Gedichtstrophe als eine Art „Beruf-ung“ apostrophiert wird, ist tatsächlich Programm des Buches. Wir unternehmen in 66 teils sehr kurzen, teils längeren Gedichten einen Gang durch die kindliche Welt und durchleben auf humorvolle Weise kindgemäße Situationen, ob beim Zahnarzt oder auf Reisen, ob im Strandbad oder in Paris. Sind örtlich keine Grenzen gesetzt, so gilt dies auch sprachlich und formal, denn die Autorin verarbeitet sämtliche bei Kindern bekannten und beliebten literarischen Muster, vom Abzählvers über Vokalreim, Zahlengedicht, Namenspiel und Lügengedicht bis hin zu Bildgedicht und konkreter Poesie. Die vereinzelten Austriazismen wie „Käsekrainer“ oder „Jause“ verleihen den Texten einen besonderen Charme. Das Buch lädt Klein und Groß zum „Flanieren“ und „Weltspazieren“ ein, nicht zuletzt durch die ansprechende Gestaltung, die durchgehend treffenden Skizzen und die vier farbig gestalteten Doppelseiten.

Einar Turkowski
Aus dem Schatten trat ein Fuchs
Hildesheim: Gerstenberg 2019. 40 Seiten. 25,00 Euro.
ISBN 978-3-8369-5666-6
Verspielte, fein durchgezeichnete Schwarzweiß-Illustrationen sind das Markenzeichen von Einar Turkowski. Diesmal schickt er einen Fuchs durch detailreiche Landschaften – Wälder, Seen, Berge. Zarte ornamentale und surreale Beigaben sorgen für eine Zauberwelt-Stimmung; sparsam wird dabei die schwarze Farbe eingesetzt, die den Bildern kosmische Tiefe gibt. Die knappe textliche Begleitung – jede Zeile nur ein kurzer Satz – hebt die besondere Stimmung hervor, Reime scheinen einander zuzufliegen. Pure Poesie. Und der Fuchs? Läuft weiter, Bild für Bild, rastlos, weil ihm nicht erscheint, was ihn innehalten ließe. Doch die magisch aufgeladene Naturwelt dieses lyrischen Bilderbuches sieht auch für ihn ein Ankommen vor: „Eine Farbe erschien. / Nur ein Zipfel davon.“ – es ist der farbige Zipfel eines anderen Fuchsschwanzes, der aus einer Höhle hervorlugt! Und so kommt auch bei unserem Fuchs die Farbe zurück ins Fell: Zwei Füchse finden sich und zaubern nun gemeinsam weiter!
Die gesamte Pressemitteilung zum Herunterladen: PM Josef Guggenmos-Preis 2020 für Leta Semadeni
2018: Michael Hammerschmid
Michael Hammerschmid
Schlaraffenbauch
Mit Bildern von Rotraut Susanne Berner.
Frankfurt am Main, Wien, Zürich 2018: Edition Büchergilde.
32 Seiten, 18,00 EUR.
ISBN 978-3-86406-092-2
Einer spannt den Bogen auf, beginnt mit „bitter weinst du“ und endet mit „was machen wir nun?“. Dazwischen findet eine feine Entwicklung statt, die der Beobachter wach registriert, vom Tränenstrom über das allmähliche Versiegen der Tränen, vom Überwältigtsein durch schwarze Gedanken über das Aufhellen des inneren Horizonts bis zur sanften Auflösung des Kummers. All das begleitet der Lyriker als Momentaufnahme, und das fragile Gleichgewicht zwischen dem Beobachter, dessen Worte zugleich beschreiben und trösten, und dem Bekümmerten setzt sich in vielen ähnlichen Konstellationen der 24 Gedichte dieses Bandes fort. Es sind Begegnungen, die zu Texten werden und solche wundervollen Zustandsbeschreibungen motivieren wie „ich muss viel / nichts tun, gut?“, die uns beschäftigen, weil sie sich nicht vollständig auflösen. Reime scheinen auf und verschwinden wieder, um wiederzukehren, wenn wir es nicht erwarten. Und so irrlichtern die Gedichte von Michael Hammerschmid in ihrer Form fröhlich zwischen den beiden Polen der Beckmesserei und der Willkür, ohne je einem von ihnen zu nahe zu kommen. Die Farbbilder von Rotraut Susanne Berner, die diese Gedichte in die von ihr herausgegebenen „Tollen Hefte“ aufgenommen hat, sind genauer Lektüre ebenso geschuldet wie dem Willen zur interpretatorischen Freiheit, zum Neuschaffen des Vorgefundenen. Entstanden ist ein funkelndes kleines Meisterwerk aus eigenem Recht.

Michael Hammerschmid, geboren 1972 in Salzburg, lebt als freier Autor und Vater zweier Töchter in Wien. Er unterrichtet an der Universität für Angewandte Kunst im Institut für Sprachkunst und an der Universität Wien im Bereich Germanistik, Schreiben, Poetik und Lyrik. Der Träger mehrerer Literaturpreise moderiert und kuratiert Lyrik-Festivals und beschäftigt sich unter anderem mit den Schnittpunkten von Literatur und Bildender Kunst.

Michael Hammerschmid,
Foto:
© Barbara Schwarcz
Die Vergabe des Preises wurde unterstützt von der Marktgemeinde Irsee, der Schwabenakademie Irsee, der Kulturstiftung Irsee, die das Preisgeld zur Verfügung stellte, von der Kurt und Felicitas Viermetz Stiftung Augsburg sowie von der Akademie Faber-Castell, die einen „perfekten“ Bleistift überreichte.
Die Preisvergabe fand am 16. November 2018 im Rahmen der Fachtagung „Eine neue Sicht auf das Kindergedicht“ in der Schwabenakademie Irsee statt, dem Lebensort des namensstiftenden Lyrikers Josef Guggenmos (1922 – 2003).
Die Jury für den JOSEF GUGGENMOS-PREIS FÜR KINDERLYRIK 2018
- Prof. Dr. Dr. Kurt Franz (Ehrenpräsident der Akademie)
- Dr. Claudia Maria Pecher (Präsidentin der Akademie)
- Arne Rautenberg (Lyriker, Preisträger 2016)
- Dr. Tilman Spreckelsen (Redakteur, FAZ)
- Ulrich Störiko-Blume (Vizepräsident der Akademie i. V.).
EMPFEHLUNGSLISTE 2018
Die Jury hat die Produktion deutschsprachiger Gedichtbände der Jahre 2017 und 2018 geprüft; es sind 64 Bücher und 103 unveröffentlichte Manuskripte eingereicht worden. Fünf besonders gelungene Bücher sind für die Empfehlungsliste ausgewählt worden.

Sonja Danowski (Text und Illustration)
Smon Smon
Zürich: NordSüd 2018.
44 Seiten, 20,00 EUR.
ISBN 978-3314-10415-2
Die archaische Welt, in welche uns die Künstlerin Sonja Danowski in ihrem Bilderbuch mitnimmt, reicht bis in die Sprache hinein: Das Smon Smon lebt auf dem Planeten Gon Gon. Dürre Sätze mit unbekannten Vokabeln begleiten die Odyssee des kleinen Smon Smon durch eine surreal-amorphe Sphäre. Selbst aus der schroffsten Einöde kann eine staunenswert friedliche Stimmung erblühen – wenn sie poetisiert wird. Manchmal braucht es eine ganz andere Welt, um die eigene besser verstehen zu können.

Uwe-Michael Gutzschhahn
Die Muße der Mäuse
Mit Zeichnungen von Manfred Schlüter.
Nettetal: Elif 2018.
80 Seiten, 16,00 EUR.
ISBN 978-3-946989-11-0
Die große Erfahrung des Übersetzers, Anthologisten und Lyrikers ist in diesem bibliophil ausgestatteten Büchlein durchgehend spürbar. Das beginnt in der Alliteration des Titels und setzt sich fort in der Übernahme von bewährten Rastern und Stilmitteln für das eigene Schaffen in den jeweils 15 Gedichten der drei Abteilungen, ob im Schlaflied, in der Verkehrten Welt oder im Märchen. In bester Guggenmos’scher Manier werden nicht nur Mäuse und Katzen poetisiert, auf einem ganzen Bestiarium fußt die Fabulierkunst des Autors, dessen geistreiche Kreativität die bekannte Welt in neue Bilder verwandelt. Sein hintergründiger Humor und sein sprachlicher Nonsens loten genau das aus, was Kinder brauchen und was ihnen gefällt. Mit der außergewöhnlichen Illustration, die durchgehend eine geographische Weltreise simuliert, und der vom Autor besprochenen beigelegten CD eine rundum gelungene Ausgabe mit Kindergedichten, die ebenso erwachsene Leser und Hörer begeistern wird.

Franz Hohler
Am liebsten aß der Hamster Hugo Spaghetti mit Tomatensugo
Mit Illustrationen von Kathrin Schärer.
München: Carl Hanser 2018.
64 Seiten, 14,00 EUR.
ISBN 978-3-446-26055-9
Reim dich oder ich fress dich – das sagt man, wenn einem Verse arg bemüht vorkommen. Bei Franz Hohlers Tiergedichten dagegen wundert sich niemand, wenn der Lämmergeier die falschen Eier ausbrütet. Unbebrütet sehen viele Eier gleich aus, unbearbeitet sehen viele Wörter gleich aus – aber in Reimform gebracht von einem Meister der Sprache, zeigen die Wörter, was alles in ihnen stecken kann. Ist das große Kunst? Bei Franz Hohler meint der große graue Wolf (er spielt gern Golf): „Mir egal – Spaß macht es allemal.“

Ted van Lieshout
Wo bleibt das Meer?
Aus dem Niederländischen von Rolf Erdorf.
Mit Illustrationen von Brigitte Püls.
München: Susanna Rieder 2017.
64 Seiten, 14,50 EUR.
ISBN 978-3-946100-08-9
Ein Kind ergreift die Hand seines Vaters, denn „ohne meine Hand ist mein Vater verloren“ – es sind Perspektivwechsel wie diese, in denen der Niederländer Ted van Lieshout sein Gespür für die Verquickung von poetischen Momenten und Melancholie beweist. Leise und in IchForm durchmessen die klar geschriebenen und von Rolf Erdorf fein übersetzten Gedichte in diesem Auswahlgedichtband ein großes Thema: den Abschied von der Kindheit. Was kommt nach der Geborgenheit? Und wer bin ich überhaupt? Da ist dieses Gefühl, auf der Schwelle zu sein und über sich hinaus zu wachsen. Nur wohin? Gut, dass es das Meer gibt, diesen Sehnsuchtsraum für den unverstellten Blick.

Angelika Overath
Corniglias – Alpendohlen
Poesias per tai – Gedichte für dich
Illustriert von Madlaina Janett.
Zürich: Schweizer Jugendschriftenwerk 2017.
32 Seiten, 8,00 EUR.
ISBN 978-3-7269-0093-9
Du bist deine Sprache. Kürzer kann man es kaum ausdrücken, und kurz sind auch die 14 Gedichte – zweisprachig auf Deutsch und Vallader, einer Variante des Rätoromanischen, das im schweizerischen Unterengadin noch heute gesprochen wird. Der Autorin, die Deutsch zur Muttersprache und Vallader erlernt hat, gelingt das Kunststück, abstrakt und konkret zugleich zu dichten: „Die Poesie ist kein braves Kind.“
2016: Arne Rautenberg
Arne Rautenberg
unterm bett liegt ein skelett
Gruselgedichte für mutige Kinder
Illustriert von Nadia Budde.
Wuppertal: Peter Hammer 2016.
48 Seiten, 13,90 EUR.
ISBN 978-3-7795-0551-8
Dieser Dichter nimmt die Sache so ernst, dass ihm Leichtigkeit gelingt. Bei „zombies in kombis“ mag mancher zunächst an einen herbeigezwungenen Reim denken – doch halt, haben wir nicht auch schon solche Gestalten gesehen, die vor dem Supermarkt parken? Das Gruselige hat seinen Platz in dieser Welt, drum ist der „kein guter mann, der umkehrzauber zaubern kann“. Er macht nämlich „aus den klappernden skeletten – muskelmänner in ketten“. Nein, in der Fantasie, im Dunkeln, in der Nacht darf es so gruselig sein, wie es nur geht, nur in der Wirklichkeit wollen wir das Helle sehen. Souverän setzt Rautenberg den Endreim ein, aber natürlich kann er auch anders:
was macht der maulwurf auf dem friedhof?
buddeln buddeln buddeln
Wenn Wortwiederholung und Reim zusammenkommen, wirkt das wie eine mit kühnem Strich gesetzte Zeichnung:
zombie-baby brabbelt
zombie-baby sabbelt
zombie-baby
zombie-baby
zombie-baby krabbelt
Seine Formen wählt er abwechslungsreich, dabei immer treffsicher, zu tiefem Humor ebenso wie zu tiefem Sinn fähig. Kinder amüsieren sich an dem Grusel, weil sie spüren und wissen, dass er inszeniert und nicht wirklich ist – wie bei einer Geisterbahn. Die zweifarbigen Zeichnungen von Nadia Budde würzen den gewitzten Witz.

Arne Rautenberg kam 1967 in Kiel auf die Welt, wo er auch heute nach dem Studium der Kunstgeschichte, der Neueren Deutschen Literaturgeschichte und der Volkskunde als freier Schriftsteller und Künstler lebt. Er wurde bereits mit zahlreichen Literaturpreisen und Stipendien ausgezeichnet. Seit 1995 veröffentlicht er meist Gedichtbände, zuletzt in diesem Jahr die Gruselgedichte mit dem Titel unterm bett liegt ein skelett – wofür er jetzt mit dem JOSEF GUGGENMOS-PREIS FÜR KINDERLYRIK ausgezeichnet wird.

Arne Rautenberg,
Foto:
© Peter Hammer Verlag
Zum ersten Mal gibt es in Deutschland einen Kinderlyrikpreis. Er trägt den Namen von Josef Guggenmos (1922 – 2003), der die deutsche Kinderlyrik nachhaltig beeinflusst sowie ihr Themenspektrum und ihre formalen Möglichkeiten entscheidend erweitert hat.
Die Deutsche Akademie für Kinder- und Jugendliteratur hat den mit 3.000 Euro dotierten Preis zu ihrem 40. Jubiläum mit Unterstützung vom Sparkassenverband Bayern ins Leben gerufen und aus dem Reinertrag des Sparkassen-PS-Sparen und Gewinnen finanziert. Er wurde am 18. November 2016 in Volkach verliehen.
Die Jury für den JOSEF GUGGENMOS-PREIS FÜR KINDERLYRIK 2016
- Dr. Erich Jooß (Vizepräsident, Juryvorsitz, München)
- Ulrich Störiko-Blume (Laudator, ordentliches Mitglied, München)
- Prof. Dr. Dr. Kurt Franz (Ehrenpräsident, Deuerling)
- Prof. Dr. Gabriele von Glasenapp (Vizepräsidentin, Köln)
- Dr. Claudia Maria Pecher (Präsidentin, Frankfurt am Main)
EMPFEHLUNGSLISTE 2016
Die Jury hat die zwischen Juli 2015 und Juli 2016 erschienene Produktion gesichtet und daraus den Preisträger ermittelt sowie fünf weitere besonders gelungene Titel empfohlen. Das Angebot an beachtenswerten Büchern mit Lyrik für junge Leser war erfreulich groß, vielfältig und sehr viel besser, als mancher Skeptiker vorher erwartet hatte. Daher fiel die Auswahl nicht leicht. Mit ihrem Preis will die Akademie ein Zeichen setzen und Autoren genauso wie Verlage und Buchhandlungen ermutigen, sich stärker als bisher für das Kindergedicht einzusetzen

Nadia Budde
Vor meiner Tür auf meiner Matte
Illustriert von der Autorin.
Wuppertal: Peter Hammer 2016.
32 Seiten, 15,90 EUR.
ISBN 978-3-7795-0539-6
Es gibt Illustratoren, die können auch dichten. Und es gibt Dichter, die gut illustrieren können. Echte Doppelbegabungen sind allerdings selten, und deshalb wird Nadia Budde ausgezeichnet, die schon viele gedichtete Bilderbücher vorgelegt hat. Das Szenario des unerbetenen Besuchs einer Ratte, die der Hauptfigur ständig dazwischenfunkt, bietet echte Situationskomik. Der Pfiff liegt darin, wie die Illustratorin/Dichterin Text und Bild inszeniert – mit kleinen quatschigen Plots, die wir als Karikaturen von wohlbekannten Konfliktsituation erkennen

Uwe-Michael Gutzschhahn (Hrsg.)
Ununterbrochen schwimmt im Meer der Hinundhering hin und her
Das dicke Buch vom Nonsens-Reim
Illustriert von Sabine Wilharm.
München: cbj 2015.
192 Seiten, 19,99 EUR.
ISBN 978-3-570-15971-2
Diese Sammlung komischer Gedichte macht es leicht, die Lyrik überhaupt zu entdecken. Für Unsinn waren sich auch die großen Klassiker nicht zu fein: Chamisso, Eichendorff, Lessing. Die erste Hälfte des letzten Jahrhunderts, die wirklich nicht zum Lachen war, reizte großartige Poeten wie Kurt Schwitters, Bertolt Brecht, Erich Mühsam, Mascha Kaléko und Joachim Ringelnatz zum Scherzen. Es fehlen nicht die Komik-Spezialisten von Karl Valentin zu Otto (ja, der!), von Heinz Erhardt zu Robert Gernhardt. Wir finden Erich Fried, H.M. Enzensberger, James Krüss, Arne Rautenberg, Peter Maiwald, Oskar Pastior und Jürgen Spohn und – überraschend und überzeugend zugleich – viele unbekannte Verfasser. Die unvermeidliche Willkür bei einer solchen Auswahl verwandelt der Herausgeber mit den eleganten Illustrationen von Sabine Wilharm zu einer Kür auf dem lyrischen Parkett

Judith Holofernes
Du bellst vor dem falschen Baum
Illustriert von Vanessa Karré.
Stuttgart: Tropen 2015.
104 Seiten, 17,95 EUR.
ISBN 978-3-608-50152-0
Die Rockmusikerin und Songschreiberin Judith Holfernes (bekannt durch die Gruppe Wir sind Helden) singt bzw. schreibt nicht vor dem falschen Publikum. Treffsichere Sprache, Rhythmus- und Melodiegefühl sind ihre Sache. Nur dass die Begleitmusik hier aus Bildern besteht. Kinder lieben Tiergedichte, und da müssen nicht unbedingt Blaumeisen vorkommen, es können auch Bleimeisen sein, Tollmeisen oder Vollmeisen oder Halbmeisen. Ein herrliches Lese- und Schauvergnügen (teilweise mit ausklappbaren Panoramabildern) aus einem literarischen Verlag – auch für Kinder.

Christoph Meckel
Für Clarisse
Illustriert vom Autor.
Frankfurt am Main: Gutleut Verlag 2015.
140 Seiten, 24,00 EUR.
ISBN 978-3-936826-74-6
Dass ein so bedeutender und fleißiger Lyriker im Alter von 80 Jahren eine Sammlung von 60 bisher unveröffentlichten Gedichten herausbringt, ist ein Glücksfall. Sie richten sich an Clarisse, eine kindliche Kunstfigur. Das Buch ist auch formal in jeder Hinsicht ein bibliophiler Leckerbissen. Schon der Umschlag ist ein gefaltetes Plakat mit einer Meckel´schen Radierung, auf dessen Rückseite der Autor seine Kunstfigur im weltliterarischen Universum verortet. In der Mitte der Broschur befinden sich 9 ausklappbare Seiten mit weiteren Radierungen des Autors.

Frantz Wittkamp
In die Wälder gegangen, einen Löwen gefangen
Findlinge
Illustriert von Axel Scheffler.
Weinheim: Verlag Beltz & Gelberg 2016.
48 Seiten, 12,95 EUR.
ISBN 978-3-407-79564-9
Seine Vierzeiler nennt der Autor „Findlinge“ – wie die nach der Eiszeit liegengebliebenen, rundgeschliffenen großen Gesteinsbrocken. Auf das Wesentliche abgeschliffen – das ist die formale Essenz der Wittkamp’schen Gedichte. Sie haben Tiefgang bei aller Leichtigkeit, und solche Doppelbödigkeit strahlen auch Axel Schefflers lakonisch-fröhliche Bilder aus. Kinder haben sofort ihren Spaß damit, der keineswegs verhindert, dass Erwachsene weitere, eigene Bezüge für sich herstellen können.



















