Lyrikpreis Josef Guggenmos

Der Josef-Guggenmos-Preis 2016 geht an Michael Hammerschmid

Der 2016 erstmals verliehene Kinderlyrikpreis geht diesmal an den Wiener Michael Hammerschmid für sein Buch Schlaraffenbauch, herausgegeben und illustriert von Rotraut Susanne Berner, erschienen in den „Tollen Heften“ der Edition Büchergilde. Die mit 3.000 ¤ dotierte Auszeichnung wird von der Deutschen Akademie für Kinder- und Jugendliteratur e.V. verliehen. Das Preisgeld wird gestiftet von der Kulturstiftung Irsee. Von der Akademie Faber-Castell wird passend hierzu ein „perfekter“ Bleistift überreicht. Die Preisvergabe findet am 16.11.2018 im Rahmen der Fachtagung „Eine neue Sicht auf das Kindergedicht“ in der Schwabenakademie Irsee statt, dem Lebensort des namensstiftenden Lyrikers Josef Guggenmos (1922 – 2003).

Michael Hammerschmid, geboren 1972 in Salzburg, lebt als freier Autor und Vater zweier Töchter in Wien. Er unterrichtet an der Universität für Angewandte Kunst im Institut für Sprachkunst und an der Universität Wien im Bereich Germanistik, Schreiben, Poetik und Lyrik. Der Träger mehrerer Literaturpreise moderiert und kuratiert Lyrik-Festivals und beschäftigt sich unter anderem mit den Schnittpunkten von Literatur und Bildender Kunst.

Weitere Informationen zur Preisverleihung, Fachtagung und einzelnen Programmpunkten finden Sie im Flyer oder auf der Homepage der Schwabenakademie Irsee (www.schwabenakademie.de).

Das Preisbuch

Michael Hammerschmid
Schlaraffenbauch
mit Bildern von Rotraut Susanne Berner
Frankfurt am Main, Wien, Zürich 2018: Edition Büchergilde, 32 S., 18.00 EUR
ISBN 978-3-86406-092-2

Weitere Informationen zum Preisträger und Ausschnitte aus dem preisgekrönten Buch sowie die Empfehlungsliste der Jury können in der offiziellen Pressemeldung anbei weitergelesen werden.



Jurymitglieder:
Prof. Dr. Dr. Kurt Franz (Ehrenpräsident der Akademie)
Dr. Claudia Maria Pecher (Präsidentin der Akademie)
Arne Rautenberg (Lyriker, Preisträger 2016)
Dr. Tilman Spreckelsen (Redakteur, FaZ)
Ulrich Störiko-Blume (Vizepräsident der Akademie i. V.).

Die Jury hat die Produktion deutschsprachiger Gedichtbände der Jahre 2017 und 2018 geprüft; es sind 64 Bücher und 103 unveröffentlichte Manuskripte eingereicht worden. Fünf besonders gelungene Bücher sind für die
Empfehlungsliste ausgewählt worden.

Die Vergabe des Preises wird unterstützt von:
Marktgemeinde Irsee, Schwabenakademie Irsee, Kulturstiftung Irsee,
Kurt und Felicitas Viermetz Stiftung Augsburg, Akademie Faber-Castell.

Empfehlungsliste

Sonja Danowski (Text und Illustration)
Smon Smon
Zürich: NordSüd Verlag 2018, 44 S., 20,00 EUR,
ISBN 978-3314-10415-2

Die archaische Welt, in welche uns die Künstlerin Sonja Danowski in ihrem Bilderbuch mitnimmt, reicht bis in die Sprache hinein: Das Smon Smon lebt auf dem Planeten Gon Gon. Dürre Sätze mit unbekannten Vokabeln begleiten die Odyssee des kleinen Smon Smon durch eine surreal-amorphe Sphäre. Manchmal braucht es eine ganz andere Welt, um die eigene besser verstehen zu können.

Uwe-Michael Gutzschhahn
Die Muße der Mäuse
mit Zeichnungen von Manfred Schlüter
Nettetal: Elif Verlag 2018, 80 S., 16,00 EUR,
ISBN 978-3-946989-11-0

Die große Erfahrung des Übersetzers, Anthologisten und Lyrikers ist in diesem bibliophil ausgestatteten Büchlein durchgehend spürbar. Das beginnt in der Alliteration des Titels und setzt sich fort in der Übernahme von bewährten Rastern und Stilmitteln für das eigene Schaffen in den jeweils 15 Gedichten der drei Abteilungen, ob im Schlaflied, in der verkehrten Welt oder im Märchen. In bester guggenmos’scher Manier werden nicht nur Mäuse und Katzen poetisiert, auf einem ganzen Bestiarium fußt die Fabulierkunst des Autors, dessen geistreiche Kreativität die bekannte
Welt in neue Bilder verwandelt.

Franz Hohler
Am liebsten aß der Hamster Hugo Spaghetti mit Tomatensugo
mit Illustrationen von Kathrin Schärer
München: Carl Hanser Verlag 2018, 64 S., 14,00 EUR
ISBN 978-3-446-26055-9

Reim dich oder ich fress dich – das sagt man, wenn einem Verse arg bemüht vorkommen. Bei Franz Hohlers Tiergedichten dagegen wundert sich niemand, wenn der Lämmergeier die falschen Eier ausbrütet. Unbebrütet sehen viele Eier gleich aus, unbearbeitet sehen viele Wörter gleich aus – aber in Reimform gebracht von einem Meister der Sprache, zeigen die Wörter, was alles in ihnen stecken kann. Ist das große Kunst?

Ted van Lieshout
Wo bleibt das Meer?
aus dem Niederländischen von Rolf Erdorf
mit Illustrationen von Brigitte Püls
München: Susanna Rieder Verlag 2017, 64 S., 14,50 EUR
ISBN 978-3-946100-08-9

Ein Kind ergreift die Hand seines Vaters, denn „ohne meine Hand ist mein Vater verloren“ – es sind Perspektivwechsel wie diese, in denen der Niederländer Ted van Lieshout sein Gespür für die Verquickung von poetischen Momenten und Melancholie beweist. Leise und in IchForm durchmessen die klar geschriebenen und von Rolf Erdorf fein übersetzten Gedichte in diesem Auswahlgedichtband ein großes Thema: den Abschied von der Kindheit. Was kommt nach der Geborgenheit? Und wer bin ich überhaupt?

Angelika Overath
Corniglias – Alpendohlen. Poesias per tai – Gedichte für dich
illustriert von Madlaina Janett
Zürich: Schweizer Jugendschriftenwerk 2017, 32 S., 8,00 EUR
ISBN 978-3-7269-0093-9

Du bist deine Sprache. Kürzer kann man es kaum ausdrücken, und kurz sind auch die 14 Gedichte – zweisprachig auf Deutsch und Vallader, einer Variante des Rätoromanischen, das im schweizerischen Unterengadin noch heute gesprochen wird. Der Autorin, die Deutsch zur Muttersprache und Vallader erlernt hat, gelingt das Kunststück, abstrakt und konkret zugleich zu dichten: „Die Poesie ist kein braves Kind.“


Der Josef-Guggenmos-Preis 2016 geht an Arne Rautenberg

Die Jury hat die zwischen Juli 2015 und Juli 2016 erschienene Produktion gesichtet und daraus den Preisträger ermittelt sowie fünf weitere besonders gelungene Titel empfohlen. Das Angebot an beachtenswerten Büchern mit Lyrik für junge Leser war erfreulich groß, vielfältig und sehr viel besser, als mancher Skeptiker vorher erwartet hatte. Daher fiel die Auswahl nicht leicht. Mit ihrem Preis will die Akademie ein Zeichen setzen und Autoren genauso wie Verlage und Buchhandlungen ermutigen, sich stärker als bisher für das Kindergedicht einzusetzen.

Arne Rautenberg kam 1967 in Kiel auf die Welt, wo er auch heute nach dem Studium der Kunstgeschichte, der Neueren Deutschen Literaturgeschichte und der Volkskunde als freier Schriftsteller und Künstler lebt. Er wurde bereits mit zahlreichen Literaturpreisen und Stipendien ausgezeichnet. Seit 1995 veröffentlicht er meist Gedichtbände, zuletzt in diesem Jahr die Gruselgedichte mit dem Titel unterm bett liegt ein skelett – wofür er jetzt mit dem Josef-Guggenmos-Preis ausgezeichnet wird.

Das Preisbuch

Arne Rautenberg
unterm bett liegt ein skelett
Gruselgedichte für mutige Kinder
Illustriert von Nadia Budde
Wuppertal: Peter Hammer Verlag 2016. 48 S., 13,90 EUR
ISBN 978-3-7795-0551-8

Weitere Informationen zum Preisträger und Ausschnitte aus dem preisgekrönten Buch sowie die Empfehlungsliste der Jury können in der offiziellen Pressemeldung anbei weitergelesen werden.

Jurymitglieder
Dr. Erich Jooß , Vizepräsident, Juryvorsitz (München)
Ulrich Störiko-Blume, Laudator, ordentliches Mitglied (München)
Prof. Dr. Dr. Kurt Franz, Ehrenpräsident (Deuerling)
Prof. Dr. Gabriele von Glasenapp, Vizepräsidentin (Köln)
Dr. Claudia Maria Pecher, Präsidentin (Frankfurt/Main)

Nadia Budde
Vor meiner Tür auf meiner Matte
Illustriert von der Autorin
Wuppertal: Peter Hammer Verlag 2016. 32 S., 15,90 EUR
ISBN 978-3-7795-0539-6

Es gibt Illustratoren, die können auch dichten. Und es gibt Dichter, die gut illustrieren können. Echte Doppelbegabungen sind allerdings selten, und deshalb wird Nadia Budde ausgezeichnet, die schon viele gedichtete Bilderbücher vorgelegt hat. Das Szenario des unerbetenen Besuchs einer Ratte, die der Hauptfigur ständig dazwischenfunkt, bietet echte Situationskomik. Der Pfiff liegt darin, wie die Illustratorin/Dichterin Text und Bild inszeniert – mit kleinen quatschigen Plots, die wir als Karikaturen von wohlbekannten Konfliktsituation erkennen.

Uwe-Michael Gutzschhahn (Hrsg.)
Ununterbrochen schwimmt im Meer der Hinundhering hin und her. Das dicke Buch vom Nonsens-Reim
Illustriert von Sabine Wilharm
München: cbj Verlag 2015. 192 S., 19,99 EUR
ISBN 978-3-570-15971-2

Diese Sammlung komischer Gedichte macht es leicht, die Lyrik überhaupt zu entdecken. Für Unsinn waren sich auch die großen Klassiker nicht zu fein: Chamisso, Eichendorff, Lessing. Die erste Hälfte des letzten Jahrhunderts, die wirklich nicht zum Lachen war, reizte großartige Poeten wie Kurt Schwitters, Bertolt Brecht, Erich Mühsam, Mascha Kaléko und Joachim Ringelnatz zum Scherzen. Es fehlen nicht die Komik-Spezialisten von Karl Valentin zu Otto (ja, der!), von Heinz Erhardt zu Robert Gernhardt. Wir finden Erich Fried, H.M. Enzensberger, James Krüss, Arne Rautenberg, Peter Maiwald, Oskar Pastior und Jürgen Spohn und – überraschend und überzeugend zugleich – viele unbekannte Verfasser. Die unvermeidliche Willkür bei einer solchen Auswahl verwandelt der Herausgeber mit den eleganten Illustrationen von Sabine Wilharm zu einer Kür auf dem lyrischen Parkett.

Judith Holofernes
Du bellst vor dem falschen Baum
Illustriert von Vanessa Karré
Stuttgart: Tropen Verlag 2015. 104 S., 17,95 EUR
ISBN 978-3-608-50152-0

Die Rockmusikerin und Songschreiberin Judith Holfernes (bekannt durch die Gruppe Wir sind Helden) singt bzw. schreibt nicht vor dem falschen Publikum. Treffsichere Sprache, Rhythmus- und Melodiegefühl sind ihre Sache. Nur dass die Begleitmusik hier aus Bildern besteht. Kinder lieben Tiergedichte, und da müssen nicht unbedingt Blaumeisen vorkommen, es können auch Bleimeisen sein, Tollmeisen oder Vollmeisen oder Halbmeisen. Ein herrliches Lese- und Schauvergnügen (teilweise mit ausklappbaren Panoramabildern) aus einem literarischen Verlag – auch für Kinder.

Christoph Meckel
Für Clarisse
Illustriert vom Autor
Frankfurt am Main: Gutleut Verlag 2015. 140 S., 24,00 EUR
ISBN 978-3-936826-74-6

Dass ein so bedeutender und fleißiger Lyriker im Alter von 80 Jahren eine Sammlung von 60 bisher unveröffentlichten Gedichten herausbringt, ist ein Glücksfall. Sie richten sich an Clarisse, eine kindliche Kunstfigur. Das Buch ist auch formal in jeder Hinsicht ein bibliophiler Leckerbissen. Schon der Umschlag ist ein gefaltetes Plakat mit einer Meckel´schen Radierung, auf dessen Rückseite der Autor seine Kunstfigur im weltliterarischen Universum verortet. In der Mitte der Broschur befinden sich 9 ausklappbare Seiten mit weiteren Radierungen des Autors.

Frantz Wittkamp
In die Wälder gegangen, einen Löwen gefangen – Findlinge
Illustriert von Axel Scheffler

Weinheim: Verlag Beltz & Gelberg 2016. 48 S., 12,95 EUR
ISBN 978-3-407-79564-9

Seine Vierzeiler nennt der Autor „Findlinge“ – wie die nach der Eiszeit liegengebliebenen, rundgeschliffenen großen Gesteinsbrocken. Auf das Wesentliche abgeschliffen – das ist die formale Essenz der Witt-kamp´schen Gedichte. Sie haben Tiefgang bei aller Leichtigkeit, und solche Doppelbödigkeit strahlen auch Axel Schefflers lakonisch-fröhliche Bilder aus. Kinder haben sofort ihren Spaß damit, der keineswegs verhindert, dass Erwachsene weitere, eigene Bezüge für sich herstellen können.

Volltextsuche

 

Facebook

Umwelt-Booking

Weitere Informationen

Aktuelle Veranstaltungen

Weitere Informationen

Aktuelle Beiträge