2026: Jona Manow: Spion Nr. 9 und die Kunst, nicht aufzufallen

Paul Maar-Preis 2026 (Foto: Andreas Fuchs/ Bayernwerk AG)

Korbinian-Preisträger Jona Manow (Mitte) mit Moderator Benedikt Weber, Akademiepräsidentin Dr. Claudia Maria Pecher, Anne Maar und den Leseluchs-Kindern Hannah Seuffert und Fabian Kaiser (v. l. / Foto: Andreas Fuchs/ Bayernwerk AG)

Zum 17. Mal hat die Deutsche Akademie für Kinder- und Jugendliteratur den „Korbinian – Paul Maar-Preis für neue Talente“ verliehen. Die Jury hatte in diesem Jahr einen Autor und fünf Autorinnen mit ihren Erstlingswerken auf die Nominierungsliste gesetzt. Das Preisgeld in Höhe von 2.500 Euro stiften der Kinderbuch­autor Paul Maar und das Bayernwerk. Verliehen wurde der „Korbinian“ zusammen mit dem Kinderbibliothekspreis in Kolbermoor.

Am Abend des 23. Juli wurde der Korbinian – Paul Maar-Preis für neue Talente der Deutschen Akademie für Kinder- und Jugendliteratur im Rahmen der feierlichen Verleihung des Kinderbibliothekspreises übergeben. Unter dem Motto „LeseOrte. Die stark machen“ hatte das Bayernwerk ins Kesselhaus Kolbermoor geladen. Durch den Abend führte der bewährte Moderator Benedikt Weber. Den Kinderbibliothekspreis überreichten der Vorstandsvorsitzende der Bayernwerk AG, Dr. Egon Leo Westphal, und Dr. Elisabeth Donoughue, Ministerialrätin im Bayerischen Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst, an vier bayerische Büchereien aus Grattersdorf, Puchheim, Unterhaching und Dettelbach sowie einen Sonderpreis an die Gemeindebücherei Oberhaid St. Bartholomäus. Der Kinderbibliothekspreis ist mit jeweils 5.000 Euro dotiert.

Paul Maar Preis 2026

Dr. Claudia Maria Pecher, Präsidentin der Deutschen Akademie für Kinder- und Jugendliteratur und Leiterin Politik, Bibliotheken und Kommunikation im Sankt Michaelsbund, überreichte zusammen mit Anne Maar den „Korbinian“ an Jona Manow für sein Buch Spion Nr. 9 und die Kunst, nicht aufzufallen, erschienen im Verlag mixtvision. Ausgestattet ist das Buch mit Illustrationen von Julia Dürr, die den Nachwuchspreis der Akademie im Jahr 2012 erhalten hatte. Paul Maar gratulierte dem Preisträger per Videobotschaft.

„Jona Manow ist mit seinem Kinderromandebüt ein Plädoyer für die Einzigartigkeit von Kindern gelungen und eine Einladung öfters mal die Blickrichtung zu wechseln“, sagte die Akademiepräsidentin und führte die Jury-Entscheidung in ihrer Laudatio aus: „Mit großer Sensibilität und feinem Humor erzählt Jona Manow von Neurodiversität, ohne seine Hauptfigur auf diagnostische Kategorien zu reduzieren. Estrich ist eine eigenwillige, vielschichtige und liebenswerte Figur. Manow gelingt damit ein Roman, der nicht nur unterhält, sondern auch die Perspektiven seiner Leserinnen und Leser erweitert. Auf eindrucksvolle Weise zeigt das Buch, dass Neurodiversität nicht als Defizit verstanden werden muss, sondern als eine besondere Gabe, die Welt wahrzunehmen. Damit bereichert Estrich die Kinderliteratur um eine Stimme, die unverwechselbar ist und lange nachhallt.“

Neben dem diesjährigen Preisträger waren Ada Diagne (BAOBAB, Leykam 2025), Eva Kranenburg (Freunde, Fischer Sauerländer 2026), Amani Padda (Bevor der Himmel reißt, Arctis 2026), Ulla Schuh (Ich in 100 Teilen, Beltz & Gelberg 2026) und Sonja M. Schultz (Mauerpogo, Blumenbar 2025) nominiert, denen neben Urkunden auch „Korbinian“-Miniaturen überreicht worden sind.

Der „Korbinian“ ist mit 2.500 Euro ausgestattet, die das Bayernwerk sowie Paul und Nele Maar seit vielen Jahren gemeinsam stiften. „Ich weiß von vielen jungen Autoren, dass sie es schwer haben“, sagte Paul Maar. „Dann dachte ich, das fördere ich, und dann schaffen die Preisträger den Sprung zum zweiten Buch.“ Ebenfalls von Paul Maar stammt der Entwurf der Preisfigur des Bären Korbinian, die Schnitzarbeit übernimmt die Augsburger Künstlerin Elisabeth Gumpp. Die Akademie Faber-Castell überreicht einen „perfekten“ Bleistift für das Schreiben weiterer preiswürdiger Literatur.

Die Jury

Unter dem Vorsitz der Literaturwissenschaftlerin Dr. Jana Mikota von der Universität Siegen lasen sich die Jurorinnen und Juroren Stefan Eß (Sankt Michaelsbund, München), Dr. Monika Hernik-Młodzianowska (Universität Potsdam), Anne Maar (Theater Schloss Maßbach), Christine Paxmann (Eselsohr, München) und Dr. Claudia Maria Pecher (Präsidentin der Deutschen Akademie für Kinder- und Jugendliteratur, Volkach) durch die gut 50 eingereichten Werke aus 36 deutschsprachigen Verlagen.

Das Preisbuch

Die Korbinian-Preisfigur schnitzt jedes Jahr die Augsburger Künstlerin Elisabeth Gumpp (Foto: Akademie KJL)

Die Preisfigur „Korbinian“ schnitzt jedes Jahr die Augsburger Künstlerin Elisabeth Gumpp.
Foto: Akademie KJL

Manow: Spion Nr. 9 ... (mixtvision 2025)

Jona Manow

Spion Nr. 9 und die Kunst, nicht aufzufallen

Mit Illustrationen von Julia Dürr.
München: Mixtvision 2025.
176 Seiten. 18 Euro. Ab 9 Jahren.
ISBN 978-3-95854-251-8

Mit Estrich hat Manow eine außergewöhnliche Figur geschaffen, die die Leserinnen und Leser auf ebenso humorvolle wie berührende Weise durch die Handlung führt. Aus der Perspektive eines neurodiversen Jungen entfaltet der Roman eine ebenso spannende wie tiefgründige Suche nach Zugehörigkeit, Selbstverständnis und dem eigenen Platz in einer Umwelt, deren Regeln oft rätselhaft erscheinen. Die besondere Qualität des Romans liegt dabei in seiner konsequenten internen Fokalisierung: Die Welt wird durch Estrichs Wahrnehmung erfahrbar. Seine Fragen, seine eigensinnigen Ordnungssysteme und seine Gewohnheit, Dinge in Neunerschritten zu zählen, prägen die Erzählung ebenso wie sein Gefühl, den gesellschaftlichen Erwartungen nicht zu entsprechen. Auf eindrucksvolle Weise zeigt das Buch, dass Neurodiversität nicht als Defizit verstanden werden muss, sondern als eine besondere Gabe, die Welt wahrzunehmen.

Über den Autor

Jona Manow hat Germanistik mit dem Schwerpunkt Theater und Film in Hamburg studiert. Im Anschluss hat er als Regieassistent am Theater gearbeitet. Seit 2017 ist er freier Theaterregisseur, zurzeit arbeitet er an seinem zweiten Kurzfilm. Manow schreibt Theaterstücke und Prosa.

Paul Maar-Preis 2026 (Foto: Andreas Fuchs/ Bayernwerk AG)

Foto: Andreas Fuchs/ Bayernwerk AG