Juliane Breinl

geboren am 21. Februar 1971 in Döbeln
Autorin

Heike Nieder
veröffentlicht am 15.11.2022

 

1 Biogramm

Juliane Breinl

Juliane Breinl (Foto: © Shawn Rush)

Juliane Breinl wächst bis 1984 in Leipzig auf. Dann reist die Familie aus der DDR nach Westdeutschland aus, das Mädchen und ihre beiden Brüder fangen mitten in der Pubertät in Mainz ein neues Leben an. Die Erfahrung des Zurücklassens der alten Heimat und des schwierigen Ankommens in einem Land, das zwar auch „Deutschland“ heißt, aber doch so anders ist, als das, was die 13-Jährige bis dahin geprägt hat, ist bis heute immer wieder Thema ihres literarischen Schaffens.

Lange bevor allerdings 2011 der erste Kinderroman Juliane Breinls erscheint, lotet die heutige Wahlmünchnerin bereits als Schülerin ihre kreativen Spielräume aus. Sie lernt Geige spielen, malt und erfindet Geschichten. Mit der Schule steht sie irgendwann „auf Kriegsfuß“, wie sie selbst sagt. Sie macht ihr Abitur erst spät, mit Anfang 20. Es folgt ein engagiertes Studium der Neurolinguistik in Frankfurt am Main und in die Bielefeld – nebenbei lässt sich die Musikliebhaberin zur Mezzosopranistin ausbilden. Nach ihrem Studienabschluss arbeitet sie für zehn Jahre als akademische Sprachtherapeutin.

2011 veröffentlicht der Verlag Sankt Michaelsbund mit Die Feuerbälle den ersten Kinderroman Juliane Breinls, ein Jahr später gewinnt sie den zweiten Kinder- und Jugendbuchwettbewerb des Arena Verlags, der Literaturagentur Meller und des Münchner Merkurs. Der Preis ist die Initialzündung für ein Leben als freie Autorin. Daneben verhilft sie anderen Autoren mit ihren Kenntnissen und Erfahrungen als Sprechtrainerin zu einem glänzenden Auftritt. Sie leitet Schreibwerkstätten und ist Mitglied verschiedener Jurys, beispielsweise hat sie seit 2019 den Juryvorsitz des Literaturwettbewerbs für Jugendliche der VHS Vaterstetten inne.

Juliane Breinl ist mit einem Amerikaner verheiratet, weswegen sie einige Monate des Jahres auch stets in Philadelphia/USA verbringt. Aus einer früheren Beziehung hat sie zwei erwachsene Kinder.

 

2 Werk

2011 erscheint Juliane Breinls erster Kinderroman Die Feuerbälle. Abenteuer einer Kinderbande in Ostdeutschland. Fünf Kinder gründen eine Bande, die in der Tradition der Fünf Freunde-Reihe Enid Blytons oder der Drei Fragezeichen-Bände Robert Arthurs einen geheimnisvollen Fall zu lösen hat. Das Besondere ist hier allerdings die Verortung der Handlung in der ehemaligen DDR. Dazu schreibt das Portal #lesen.bayern des Staatsinstituts für Schulqualität und Bildungsforschung, auf dem Die Feuerbälle empfohlen werden:

Ganz zu Recht wird im Untertitel darauf verwiesen, dass diese Geschichte in Ostdeutschland spielt. Der Hinweis muss erlaubt sein, da es schon genügend Geschichten von Kinderbanden in der deutschen Literatur gibt. Es ist aber bemerkenswert, wie schwer es ist, Kinderliteratur zur deutschen Teilung zu finden. Juliane Breinl […] ist es gelungen, beides miteinander zu verbinden (Portal #lesen.bayern).

Das Konzept des Buches, neben der eigentlichen Erzählung zusätzlich kleine Infokästen einzubinden, die über die tatsächlichen Ereignisse in der ehemaligen DDR oder besondere Begrifflichkeiten informieren, übernimmt die Autorin einige Jahre später in ähnlicher Weise auch für ihr Sachbuch Mein Mauerfall. 2012 erscheint mit Die Feuerbälle auf Erpresserjagd die Fortsetzung des Romans ebenfalls im Verlag Sankt Michaelsbund. In die Figur des Tobias, dessen Eltern einen Ausreiseantrag gestellt haben, flicht die Autorin eigene biografische Erfahrungen ein. 2014 erhalten Die Feuerbälle schließlich eine besondere Ehrung: 2014 wählt die Bundesregierung den ersten Band für das Jubiläum „25 Jahre Freiheit und Einheit“ aus. Am „Tag der offenen Tür des Bundeskanzleramts“ finden Lesungen daraus mit den Schauspielern Franziska Kleinert, Christine Rollar und Thomas Klees statt.

Im selben Jahr gewinnt Juliane Breinl den besagten Literaturwettbewerb des Arena Verlags, der Literaturagentur Meller und des Münchner Merkurs mit dem Manuskript des Jugendthrillers Perlentod, der 2013 bei Arena erscheint. 2014 folgt die Fortsetzung Feentod, ebenfalls bei Arena.

2014 reicht die Autorin ihren Kurzkrimi Rikscha bitte! beim Agatha-Christie-Krimipreis der S. Fischer Verlage und des Krimifestivals München ein. Die Geschichte wird von der Jury als eine der 25 besten Einsendungen ausgezeichnet.

2019 veröffentlicht die Autorin dann bei arsEdition das Kinderbuch Das Apfelkuchengeheimnis, das es auch in einer Hörbuchfassung gibt.

Auch das Jugendsachbuch Mein Mauerfall erscheint 2019 im Verlag arsEdition. Hier verknüpft Juliane Breinl die Rahmenhandlung um den 12-jährigen Theo, der mit seiner Familie Verwandte in Thüringen besucht und dadurch mit der deutsch-deutschen Geschichte konfrontiert wird, mit realen Zeitzeugenberichten und Infokästen. Das Buch wird vielfach rezensiert und lobend erwähnt, unter anderem in der Süddeutschen Zeitung, im Deutschlandfunk oder von der Stiftung Lesen. Agnes Sonntag schreibt in ihrer Rezension auf Spiegel online:

Ein Sachbuch zum Stöbern, das viele wichtige Fotos der Geschichte zeigt, die man kennen sollte. Schön sind die Augenzeugenberichte, die sicher auch viele Erwachsene berühren. Gut geeignet zum gemeinsamen Lesen und um ins Gespräch zu kommen (Sonntag 2019).

2020 veröffentlicht Juliane Breinl bei Arena schließlich das Jugendbuch Graue Wolken im Kopf über das Mädchen Tiziana, das mit 16 Jahren an einer Depression erkrankt. Sowohl ihre beste Freundin als auch ihre Eltern erkennen den Ernst der Lage zunächst nicht. Die Geschichte ist fiktiv, basiert aber auf persönlichen Erfahrungen der Autorin mit ihrer Tochter. Das Buch wird vom Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverband empfohlen. Juliane Breinl stellt es im Oktober 2022 in der Vorlesezeit von Sankt Michaelsbund und Deutscher Akademie für Kinder- und Jugendliteratur vor.

Im November 2021 erhält Juliane Breinl ein Werkstipendium des Deutschen Literaturfonds für ein literarisches semi-biografisches Jugendroman-Projekt zum Thema Freiheit mit dem Arbeitstitel Auf dem Mond spricht man Deutsch.

Juliane Breinl ist Gründungsmitglied der Münchner Kinder- und Jugendbuchautorenvereinigung „Isarautoren“, in deren Podcast Buchstabensuppe sie am 16. Juli 2021 mit ihrer Kollegin Heike Nieder über ihr Werk spricht. Außerdem engagiert sie sich beim „Montségur Autorenforum“.

 

3 Bibliografie

Primärliteratur

  • Die Feuerbälle. Abenteuer einer Kinderbande in Ostdeutschland. München: Verlag Sankt Michaelsbund 2011.
  • Die Feuerbälle auf Erpresserjagd. München: Verlag Sankt Michaelsbund 2012.
  • Würzburg: Arena 2013.
  • Würzburg: Arena 2014.
  • Das Apfelkuchengeheimnis. München: arsEdition 2019.
  • Mein Mauerfall. München: arsEdition 2019.
  • Graue Wolken im Kopf. Würzburg: Arena 2020.

Sekundärquellen

  • Breinl, Juliane: Website. In: juliane-breinl.de [letzter Aufruf: 14.11.2022].
  • Budeus-Budde, Roswitha: Friedliche Revolution, die Mauer muss weg, 03.11.2022. In: sueddeutsche.de [letzter Aufruf: 14.11.2022].
  • Die große Freiheit – Heike Nieder spricht mit Juliane Breinl. In: „Buchstabensuppe“ – Podcast der Isarautoren, Folge 8, 16. Juli 2021.
  • Hahn, Karin: Bücher über ein Land, das nicht mehr existiert, 09.11.2019. In: deutschlandfunk.de [letzter Aufruf: 14.11.2022].
  • Portal #lesen.bayern: Juliane Breinl: Mein Mauerfall. In: lesen.bayern.de [letzter Aufruf: 14.11.2022].
  • Schulportal Stiftung Lesen: Juliane Breinl: Mein Mauerfall. In: stiftunglesen.de [letzter Aufruf: 14.11.2022].
  • Sonntag, Agnes: Wie Eltern die deutsche Einheit erklären können, 03.11.2019. In: spiegel.de [letzter Aufruf: 14.11.2022].