LESUNGEN & WORKSHOPS2019-07-08T23:28:12+02:00
VERANSTALTUNGEN & PROJEKTE
LESUNGEN & WORKSHOPS

LESUNGEN & WORKSHOPS

LITERATUREVENT 2019: „30 JAHRE NACH DER ‚WENDE‘“
AUSSTELLUNG DER DDR-ILLUSTRATIONSKUNST UND LESUNGEN IN VOLKACH, AN DER MAINSCHLEIFE UND IN AUGSBURG

Das 30. Jahr nach der politischen „Wende“ und die daraus folgende Wiedervereinigung der deutschen Staaten ist Thema der Jahrestagung der Deutschen Akademie für Kinder- und Jugendliteratur. Dies greift auch das jährliche Lesungs- und Workshop-Programm der Akademie für Schulen und Stadtbüchereien von Volkach aus auf. Das vielfältige Literatur- und Kulturprogramm wird unterstützt vom Bayerischen Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst sowie von der Waldemar-Bonsels-Stiftung. Den Auftakt machte eine Ausstellung zur Illustrationskunst in Ost und West.

Prof. Dr. Karin Richter berichtet von der Konzeption der Ausstellung (oben). Dr. Andreas Bode führt durch vier Jahrzehnte DDR-Illustrationsgeschichte für Kinder (unten).

Alle Fotos: Akademie KJL

AUSSTELLUNG „MÄRCHEN – MYTHEN – PHANTASTISCHE WELTEN“

In einer Ausstellung zum Thema „Märchen – Mythen – Phantastische Welten“ laden Akademie und Stadt Volkach in das Museum Barockscheune ein, die Illustrationskunst in der Kinder- und Jugendliteratur der DDR und der BRD zu entdecken. Gezeigt werden Originale und Drucke der Künstlerinnen und Künstler Manfred Bofinger, Klaus Ensikat, Werner Klemke und Nuria Quevedo, die in der DDR lebten und wirkten, und hohe nationale und auch internationale Anerkennung erwarben.

Nach der Begrüßung durch die Dr. Claudia Maria Pecher, Präsidentin der Deutschen Akademie für Kinder- und Jugendliteratur, führten die Kuratorinnen Prof. Dr. Karin Richter und Dr. Jana Mikota am 23. Mai die bereits angereisten Tagungsteilnehmerinnen und ‑teilnehmer sowie Studierende der Frankfurter Goethe-Universität in die Konzeption der Ausstellung ein. Dr. Andreas Bode, ehemaliger Direktor der Internationalen Jugendbibliothek in München, erhellte in einem bilderreichen und kenntnisreichen Vortrag überblicksartig die kinder- und jugendliterarische Illustrationskunst der DDR vom Ende des Zweiten Weltkriegs bis zum Ende der DDR. Dominierte im Vergleich der (Bilderbuch-)Illustration im Osten das Surreale, Groteske und die Karikatur, war es im Westen die Pop Art. Resümierend stellte Bode fest, dass sich nach 1990/91 der Kinderbuchmarkt neu sortierte und nur wenige DDR-Kunstschaffende, darunter Klaus Ensikat, sich halten oder neu Fuß fassen konnten.

LESUNGEN UND WORKSHOPS IN SCHULEN

Ende Mai kamen Autorinnen und Autoren aus Ost und West in zahlreichen Lesungen und Workshops in Schulen in Volkach und an der Mainsschleife zum Einsatz. Dabei wurde auf sehr heterogene Weise vom Leben in der ehemaligen DDR, über die Macht der Fantasie und das Potential sprachlicher Bilder oder auch Widerstandsbewegungen berichtet.

In der deutschsprachigen Kinder- und Jugendliteratur wird selten vom Alltag in der DDR erzählt. Judith Burger füllt mit ihrem literarischen Debüt Gertrude grenzenlos diese Leerstelle und schildert die Freundschaft zweier Mädchen im Jahre 1977. Gertrude kommt neu in die Klasse, Ina ist fasziniert von dem Mädchen, das nach „Westen“ und Anderssein „riecht“. Es entwickelt sich eine Freundschaft, die sich trotz aller Widerstände behaupten kann. Erzählt aus Inas Sicht, entsteht so eine glaubwürdige und atmosphärische Geschichte über eine Zeit, die heutige Kinder nur noch aus Erzählungen kennen. Die Lesung fand am 23. Mai in der Grund- und Mittelschule in Volkach statt.

Der mehrfach ausgezeichnete Autor Jens Sparschuh las in der Grundschule Unterpleichfeld am 23. Mai gleich aus zwei Kinderromanen: In Der alte Mann und das Meerschweinchen erzählt er von der Familie Polke, die zum ersten Mal gemeinsam ans Meer verreist. Da in der Ferienwohnung Haustiere strengstens verboten sind, erklärt sich der Nachbar Herr Möhring bereit, Meerschweinchen Ottilie vorübergehend bei sich aufzunehmen. Der wiederum wird von Frau Waller zu einer Reise ans Meer mitgenommen – dieses Mal inklusive Ottilie. In Jakobs Muschel hört Jakob das Meer rauschen, wenn er seine Muschel ans Ohr hält, manchmal kann er es sogar sehen. Auf dem Klettergerüst zwischen den Hochhäusern schnappt sich der der Angeber Jonas die Muschel. Plötzlich sieht Jakob Jonny, den Freibeuter, den Schrecken der Meere. Eine humorvolle Geschichte über kleine Machos, große Träumer und über die Macht der Fantasie.

Susan Kreller und Schulleiter OStD Bernhard Seißinger vom Franken-Landschulheim Schloss Gaibach (oben).
Johannes Herwig liest im Egbert‑Gymnasium in Münsterschwarzach (unten).

Susan Kreller besuchte am 23. Mai das Franken-Landschulheim Schloss Gaibach mit ihrer Geschichte vom Schneeriesen: Stella und Adrian sind zusammen aufgewachsen, haben Märchen in der Hollywoodschaukel gehört und dazu heißen Kakao getrunken. Sie sind beste Freunde – doch die Pubertät holt sie ein: Während Adrian immer mehr wächst, verliebt sich Stella in Dato. Das verletzt Adrian sehr und ihn belastet die Frage, ob er trotz der unerwiderten Liebe immer noch Stellas bester Freund bleiben kann. Susan Kreller erzählt sensibel von den Veränderungen der Pubertät, dem Fremdsein im eigenen Körper, der Begegnung mit dem Fremden und den Verlusten. Poetisch, zugleich nah an der Welt der Jugendlichen, ist Susan Kreller ein Roman voller Wärme und sprachlicher Bilder gelungen.

Johannes Herwig, Träger des PAUL MAAR-PREISES FÜR JUNGE TALENTE – KORBINIAN 2017, las am 24. Mai aus seinem Roman Bis die Sterne zittern und diskutierte mit Schülerinnen und Schülern des Egbert-Gymnasiums in Münsterschwarzach. Der Roman behandelt die Leipziger Meuten, eine bislang wenig bekannte (Jugend-)Widerstandsbewegung in der Zeit des Nationalsozialismus. Herwig greift die Gedanken der Jugendlichen von damals auf und schreibt einen zeitgeschichtlichen Roman, der den heutigen Leserinnen und Lesern Möglichkeiten des Widerstands im Alltag aufzeigt.

Alois Prinz, Träger des GROSSEN PREISES 2017 der Akademie, und der Gitarrist Johannnes Öllinger widmen sich in einer Lesung dem Thema „Keine Mauer kann Gottes Kinder voneinander trennen“. 1964 besuchte Martin Luther King Ostberlin. Er erzählte den Leuten vom Kampf der Afroamerikaner in den USA gegen Rassismus und Ungerechtigkeit. Mit seinen Worten weckte er die Sehnsucht nach Freiheit. 25 Jahre später fiel tatsächlich die Mauer zwischen Ost und West. Da war Martin Luther King schon lange tot, erschossen von einem weißen Rassisten. Die Lesung findet am 18. Juli für Schulklassen der 9./10. Jahrgangsstufe in der Stadtbücherei Augsburg statt.

Weitere Lesungen in Schulen und Stadtbüchereien sind in Planung. Bei Interesse wenden Sie sich gerne an die Geschäftsstelle der Akademie in Volkach.

LEKTÜRE-TIPPS ZUM THEMA 30 JAHRE „WENDE“

Anlässlich des Erinnerungsjahres hat die Akademie Lektüre-Tipps mit aktuellen und „klassischen“ Kinder- und Jugendbüchern im Faltblatt GESCHICHTE(N) ERZÄHLEN VERBINDET. 30 Jahre nach der „Wende“ – Buchtipps 2019 zusammengetragen.

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„›VATER‹ IST DOCH EIN SELTSAMES WORT.“
HERMANN HESSE ALS SOHN UND VATER

EIN LITERARISCH-MUSIKALISCHER ABEND MIT ALOIS PRINZ UND JOHANNES ÖLLINGER (GITARRE) IM SCHWÄBISCHEN LITERATURSCHLOSS EDELSTETTEN
SAMSTAG, 29. JUNI 2019, 19 UHR (CHINESISCHER SAAL)

Hermann Hesse hatte zu seinem Vater Johannes Hesse ein schwieriges Verhältnis. Er bewunderte und hasste ihn. Weil er den Vorstellungen seiner Eltern nicht entsprach, steckten sie ihn sogar in ein „Irrenhaus“. Hermann Hesse wurde später selber Vater von drei Söhnen. Als seine erste Ehe zerbrach, gab er seine Kinder weg, doch viele seiner Briefe zeigen auch, dass er ein teilnehmender und liebevoller Vater war. Alois Prinz, der eine viel beachtete Biografie über Hermann Hesse verfasst hat, präsentiert den berühmten Autor in einem ungewohnten Licht – als Sohn und Vater. Neben Auszügen aus seinem Buch liest er aus Briefen Hesses an seine Söhne und zeigt Bilder. Johannes Öllinger spielt dazu an der klassischen Gitarre Stücke von Bach bis hin zu modernen Songs und greift die Ambivalenz der Vater-Sohn-Beziehung musikalisch auf.

Alois Prinz, Foto: © Volker Derlath

Alois Prinz,
Foto: Volker Derlath

Alois Prinz, geboren 1958, gehört zu den hochkarätigen und viel beachteten Autoren im Bereich Biografien. Er studierte Literaturwissenschaft, Politologie und Philosophie, parallel dazu absolvierte er eine journalistische Ausbildung. Bekannt wurde er durch seine Biografien über Georg Forster, Hannah Arendt, Hermann Hesse, Ulrike Meinhof, Franz Kafka, den Apostel Paulus oder Jesus, Dietrich Bonhoeffer und Martin Luther King. Er erhielt zahlreiche Auszeichnungen, u. a. den Evangelischen Buchpreis für die Arendt-Biografie und den Deutschen Jugendliteraturpreis für seine Biografie über Ulrike Meinhof sowie 2017 den GROSSEN PREIS der Deutschen Akademie für Kinder- und Jugendliteratur für sein Gesamtwerk.

Johannes Öllinger, Foto: © David Gruber

Johannes Öllinger,
Foto: David Gruber

Das Spektrum des Gitarristen Johannes Öllinger, geboren 1981, reicht von Alter Musik auf historischen und modernen Instrumenten über das klassische Gitarrenrepertoire bis hin zu zeitgenössischer Musik verschiedener Genres. Er konzertiert mit den führenden Orchestern und Ensembles wie dem Symphonieorchester des BR, dem Ensemble musikFabrik (Köln) oder dem Ensemble Resonanz (Hamburg). Seine mittlerweile vierte Solo-CD widmet sich den Suiten J. S. Bachs. Erwähnt sei auch sein Brieflieder-Programm, bei dem er Zitate aus Briefen bedeutender Persönlichkeiten vertont. Zuletzt wurde er mit dem Bayerischen Kunstförderpreis 2017 ausgezeichnet.

Schwäbisches Literaturschloss Edelstetten e. V.